2 Buchempfehlungen - Steampunk und Fantasy

Bücher sind Geschmackssache. Zwar schreibe ich regelmässig Rezensionen auf amazon.de, aber nicht in meinem Blog. Das möchte ich in diesem Fall aus einem einzigen Grund ändern, auch wenns keine Rezensionen werden sollen (folgt dafür bei Interesse einfach den Verlinkungen): "Die Tore zur Unterwelt 1 - Das Buch des Dämons" von Sam Sykes hat mich so begeistert und gleichzeitig so viele kritische Rezensionen auf der deutschen Amazon Seite einstecken müssen, dass ich es hier extra erwähnen möchte.  

4 Sterne auf amazon.com, 4 Sterne auf amazon.co.uk und 2 1/2 bei amazon.de. Warum? Mögen deutsche Leser keine ichbezogenen, materalistischen Helden? Die Leser von Locke Lamora (ein Roman, der mich übrigens schwer enttäuscht hat) behaupten etwas anderes. Oder liegt es in diesem Fall vielleicht daran, dass Locke letztlich doch der gute, witzige, sympathische Robin Hood ist und all der Egoismus und die Gier nur aufgemalt sind? Kommen "echte Kotzbrocken" nicht an bei uns?

"Die Tore zur Unterwelt 1 - Das Buch des Dämons" enthält eine typische Fantasy-Story, mit untypischen Helden. Keiner ist auf Abenteuer aus, um die Welt zu verbessern oder Prinzessinnen zu retten, sondern es geht um Gold, Todessehnsucht und Macht. Und das ändert sich auch nicht im Verlauf der Geschichte. Der geneigte Leser erfährt zwar mehr über die Beweggründe, kann tiefer in die Psyche blicken und fast schon Sympathie für diese "Helden" gewinnen, aber es bleiben Drecksäcke. Und ja, die Geschichte ist nicht wirklich neu und ja, die Ausführung hat auch manchmal Schwächen (einige Dialoge zwischen den Protagonisten sind zu sehr darauf aus, den Hass zwischen den Beteiligten zu untermauern und die Offenbarung der Hintergründe beginnt für meinen Geschmack zu spät), aber diese Abenteurer bleiben sich treu und sehen die Welt im Laufe des Romans nicht plötzlich mit neuen Augen, verzichten nicht auf Gold für das höhere Wohl oder zeigen Gnade, wo sie zuvor Hass empfunden haben.  Allein aus diesem Grund sehr empfehlenswert! 

Die zweite Empfehlung richtet sich an Freunde des Steam-Punk Genres: die Pax Britannia Serie von Abaddon Books. Das Setting ist in den 90er Jahren des 20ten Jahrhunderts gelegen - einem 20ten Jahrhundert, in dem Queen Victoria immer noch über das Britische Empire regiert und Adolf Hitler als in Nährflüssigkeit ruhendes Hirn über weite Teile des europäischen Festlands gebietet. Auch wenn nur Stück für Stück näheres zum Hintergrund herauskommt, so machen die Geschichten (soweit ich das bisher beurteilen kann, bei 2 gelesenen Romanen) wirklich Spass und wecken Interesse an mehr. Es gibt Steam-Punk Technologie, Mondbasen und unerschwinglichen Luxus, aber gleichzeitig auch eine verwüstete und destabilisierte Natur, unsägliche Armut und Lohnsklaverei (und nein, nicht das, was viele heute für Lohnsklaverei erachten, also die 40 Std. Woche und keine verschandelte Natur im Sinne von fehlenden Krötentunneln).

Wer Interesse an Hintergründen und Rollenspielen ala Hollow Earth Expedition RPG, Victorian und vergleichbaren besitzt, wird sich mit dieser Serie wohl fühlen.

Ein Interview zu einem der Haupt-Autoren gibts hier: SFX.co.uk.