Fast 10 Jahre liegt das Erscheinen der (A)D&D 3rd Edition zurück. Damals konnte ich meine ganzen Regelwerke und Handbücher der 2nd Ed. gar nicht schnell genug über eBay verkaufen - als Playtester der 3rd Ed. und damit einer der ersten, der den zukünftigen Preisverfall voraus sehen konnte, gab es sogar noch richtig gutes Geld für meine Sammlung. Einige Forgotten Realms Bücher und Boxen brachten weit mehr als 50 DM und das war zu jener Zeit ausreichend Kapital, um voll in die Neuauflage einzusteigen. 
Es hat Jahre gedauert und letzlich sogar dem Erscheinen der 3.5 Ed. bedurft, bevor ich feststellen musste, dass die Neuauflage nie den gleichen Spaß, die gleiche Verzückung hervor rief, welche die 2nd Ed. in mir erzeugen konnte. Nun im Jahre 2009, durch die 4th Ed. endgültig weggedriftet von dem System, das mich einst zum Rollenspiel brachte - nun kommt meine Gruppe aus den letzten Jahren des alten Jahrtausends wieder zusammen - Facebook sei dank. Und wie damals soll die Runde wieder mit dem System starten, das damals die meisten Rollenspielabende bestimmt hat: AD&D 2nd. Edition.
Ein Blick in das alte Regelwerk lässt schon nach wenigen Minuten Vertrautheit aufkommen - das Gefühl, nach einem langen Weg wieder nach Hause zu gelangen. Klassen und Rassen, die nicht ausbalanciert sind und ihre Stärken zu unterschiedlichen Zeiten im Spiel entfalten, Regeln die nicht immer einen hohen Wurf erfordern und trotzdem eingängiger wirken, als vieles was die 3rd Edition hervor gebracht hat. Und dann das Skills & Options Buch - ein Wust von Ideen, der damals zu heftiger Kritik von Spielern und Spielleitern geführt hat, da an jedem Tisch eine unterschiedliche Version von Advanced Dungeons & Dragons gespielt werden konnte. Heute erscheint das lächerlich - sind optionale Regeln doch in nahezu allen Systemen gängige Praxis geworden. Gleiches gilt für das Spells & Magic, das mit unterschiedlichsten Arten von Magie und dazu passenden Regeln experimentiert und so die Grundlage für viele, wohl auch weit ausgereiftere, Magiesysteme in nachfolgenden Publikationen fernab von AD&D geschaffen hat. Hab ich schon das Combat & Tactics erwähnt? ...
Letzlich stellt sich das Gefühl ein, Bücher aus einer anderen und vielleicht besseren Zeit des Rollenspiels in Händen zu halten. Kein absout rundes und konsistentes Regelwerk, aber eines das Begeisterung und Fantasie weckt und befreit, statt in vom Autor vorgedachte Bahnen zu lenken. Charaktere dürfen unterschiedlich stark, unterschiedlich wichtig im Kampf und sogar unterschiedlich wertvoll für die Gruppe sein - es ist die Entscheidung des Spielers, ob und wie er sich auf schwächere Charaktere einlässt. Wurde Rollenspiel vom Regelwerk auch nicht so explizit honoriert und gefordert wie in vielen heutigen "modernen" Systemen, so erzeugt grade diese Schwäche einen besonderen Charme. Und letzlich weit mehr Rollenspielherausforderung, als darauf optimierte Regelwerke.
Ich freue mich auf die Wiedergeburt dieses Systems - genau so sehr, wie auf die Wiedergeburt dieser vor langen Zeit auseinander gebrochenen Gruppe.
Kommentare
AD&D
Hallo,
ich bin durch Zufall auf deinen Artikel zur 2. Edition gestoßen.
Habe selber mit diesem Buch angefangen bin dann aber zu DSA abgedriftet. Trotzdem bekomm ich heute noch feuchte Augen wenn ich allein das Cover sehe. *seufz*
Ich habe mal eine Frage. In den Buch gibt es eine Abbildung von einer Heldentruppe die einen kleinen Drachen an einem Baum aufknüpft. Hast du einen Ahnung wo ich das Bild im Netz finde? Bzw wer es gemalt hat.
Danke
Viel Spass mit AD&D
Simon
Das Bild
Hey Simon! Das Bild ist von Lary Elmore... eine seiner wohl berühmtesten Arbeiten. Hier ist ein Link dahin: Arthistory.cc.
Du solltest dir das Regelbuch einfach mal über ebay besorgen... es ist nie zu spät, damit anzufangen. :) Danke für dein Posting! cy