D&D und Amokläufe

Die 80er Jahre liegen lange hinter uns, aber das hindert den Boston Herald nicht daran einen Artikel zu veröffentlichen, der auch gut in jene Zeit gepasst hätte.

Amy Bishop, die Professorin die am 12. Februar einen Amoklauf an der University of Alabama begangen hat, war also D&D Spielerin.

Und wieder gibt es "Journalisten", die daraus eine Verbindung zwischen unserem Hobby und einer solchen Tat knüpfen wollen.

Persönlich finde ich die krampfhafte Suche nach Shootern u. ä. Spielen im Umfeld der Täter schon peinlich verkrampft, aber ein Spiel, das die Fantasie und das Teamplay mehr als alles andere anregt, damit in Verbindung zu bringen...?

Und es soll niemand sagen, dies sein ein US-Phänomen... diese Art der Berichterstattung ist in Europa genau so verbreitet, wie auf der anderen Seite des Atlantik. "Nicht begreifbares" soll begreifbar gemacht werden, indem Randgruppen-Hobbys als Auslöser ausgemacht werden. Der Normalverdiener kann beruhigt den Kopf schütteln, Verbote fordern und sich dann durch Politik und Medien beruhigt fühlen - bis plötzlich Verdindungen zwischen Modelleisenbahnbau oder Briefmarkensammeln und Amokläufen gefunden werden. Und aus dem ganz normalen Zeitungsleser wird plötzlich ein potentieller Massenmörder... zumindest in den Augen eines "Journalisten" und all jener, die weder Modelleisenbahnen noch Briefmarken im Keller haben.

Kommentare

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Habe gerade gesehen:

Habe gerade gesehen: „LaByrinth der Monster” kommt passend zum Thema am 5. auf 6. Juni im ZDF.

Danke für den Hinweis!

Danke für den Hinweis!

Nur ein kleiner Einwand

...ein Spiel, das die Fantasie und das Teamplay mehr als alles andere anregt...
 
Ich denke hier scheint ein wenig die Betriebsblindheit durch. D&D (und sehr viele andere Rollenspiele auch) regt nicht Fantasie und Teamplay am Stärksten an. Letzteres wird vor allem dadurch widerlegt, weil es noch immer - selbst oder gerade bei erfahrenen Rollenspielern - Spielstildebatten gibt und die Vorstellung, das bestimmte Spielweisen einfach nicht zusammenpassen. Gerade die Koordination von Interessen und die Konsensfindung ist ein essentieller Bestandteil vom Teamplay und das sehe ich bei vielen Rollenspielrunden nur in sehr stark unterentwickelter Form. Man denke da nur wie viele Gruppen mit Gesprächsrunden anfangen, Fragebögen ausfüllen oder "Flag"-Mechanismen für unverzichtbar halten, damit zumindest der SL weiß, was die Leute wollen. Das ist meiner Meinung nach kein Zeichen für ein Hobby in dem Teamplay stark angeregt wird.
Der Punkt mit der Fantasie überzeut mich da eher. Wobei ich da auch meine Zweifel hege wieviele Rollenspieler wirklich noch ihre Fantasie beanspruchen um sich eine vom SL beschriebene Situation in ihrer Gänze vorzustellen, statt einfach nur auf Signalwörter zu achten mit denen sie ihre besonderen Charakterfähigkeiten kombinieren können.
Zumal ja auch gerade die Fantasie-lastigkeit bei den "ernsthaften" und "erwachsenen" Leuten irgendwie befremdlich und komisch rüberkommt. Das sehen so manche ziemlich schnell als Teil einer Realitätsvermeidung, die nicht gesund ist. Was eben nicht total falsch ist, aber dafür vollkommen irrelevant. Rollenspiele sind auch nicht mehr Realitätsvermeidung als Bücher, Filme, TV oder Computerspiele. Sie sind halt bloss ansprechender, weil sie weit mehr Interaktion erlauben.
Ansonsten sehe ich das aber ähnlich wie du.

Realitätsflucht

Ich sehe das als die Realitätsflucht des Mainstreams: „Nein, unsere Welt ist gut, und die Schuld kann gar nicht in irgendwas liegen, mit dem ich selbst auch zu tun hatte/habe!”

Und natürlich auch nicht mit der immer unmenschlicher werdenden Gesellschaft, die uns das wundervoll billige Essen und die tollen Sonderangebote bringt, die sich eigentlich realistisch gesehen weder für den Hersteller, noch für den Verkäufer rechnen können.

Allerdings bin ich nicht sicher, ob das unserem Hobby geschadet hat. Was die Alten verteufeln, wird für den rebellischen Teil der Jugend interessant. Ich denke, es ist kein Wunder, dass sich DnD gerade in den Unis in Amerika so verbreitet hat - oft sind die Intelligenten auch die, die ihre Welt kritisch hinterfragen und rebellieren.

Der Oger über die armen Journalisten

Mich amüsieren solche Meldungen mittlerweile ziemlich, aus mehreren Gründen. Erstens finde ich nach wie vor Repotagen in allen Medien zum Thema Rollenspiele verkrampft und auch recht verklemmt. Da versuchen zuviele Blinde, Farben zu erklären.
Zweitens kann ich mich über diese Art des Journalismus, in denen sich die Schreiberlinge gerade noch in ihrer Muttersprache ausdrücken können, und sich zur Zementierung ihrer Behauptung auf anonyme Quellen verlassen, nur noch kaputt lachen. Und wehe dem Journalisten, der die Deadline nicht einhalten kann oder die politische Linie seines Herausgebers überschreitet! Journalisten mit Niveau und Berufsethos, so denke ich, können sich nirgendwo mehr lange halten; dazu sind, mit Ausnahme der öffentlich-rechtlichen (von den koch'schen Gleichschaltungsbemühungen einmal abgesehen) Anzeigekunden, Werbung und frühkapitalistische Betriebsführung wichtiger geworden.
Drittens ist D&D vor allem in den Staaten einfach zu groß geworden, das man ungestraft die Psychomörder/Satanistenkarte ziehen kann, und dafür hats in den Kommentaren auch ordentlich Schelte gegeben.
 
 
 
 
 

Und ich...

Hi Oger,
los, geh' noch einen Schritt weiter! Trau dich! Blogger sind die besseren Journalisten! Und überhaupt! Ich warte nur drauf...;)
Im Ernst: Mich amüsiert auch was, nämlich das typische Internet-affiner-männlicher-Piratenpartei-Wähler zwischen 20 und 49 erklärt im Netz was im Journalismus falsch läuft-Getue. Weder stimmt das eine Extrem (im Journalismus läuft alles super) noch das andere (Journalisten  recherchieren nicht und schreiben nur den Anzeigenkunden nach dem Mund).
 
Grüßle Joni
 
 

Nun ja... die

Nun ja... die Presselandschaft und ihre Qualität in meinem Bundesland (Schleswig Holstein) ist schon ziemlich... mager. Und ich würde nicht die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten von der Kritik ausnehmen wollen - ganz im Gegenteil. Denn nirgendwo reagieren die Machtklüngel dt. Politik besser als dort. Aber du hast schon recht: (politische) Blogger nehmen ihre Welt all zu häufig noch eingeschränkter und noch weit mehr schwarz/weiß schattiert war.

Schlimm ist halt, wie auch in diesem Fall, dass solche Artikel ohne Hintergrundwissen geschrieben werden. Und das gut 25 Jahre nachdem schon einmal eine ähnliche "Hexenjagd" durch die Vereinigten Staaten geschwappt ist. Damals wurde Rollenspiele an zahlreichen Schulen und Universitäten verboten, Eltern wurden vor diesem bösartigen Hobby gewarnt und Glaubensverbände aller Art predigten gegen die okkulte Gefahr des D20. Man sollte meinen, die Menschen (und in diesem Fall ganz besonders die Journalisten) hätten daraus gelernt...

 

 

Du...

Hi Cyric,
du hast mit deinen Punkten ja auch im Großen und Ganzen Recht. In weiten Teilen Deutschlands gibt es nur noch eine Tageszeitung oder die Angebote sind sonstwie beschränkt (bin aus BW, hier ticken da die Uhren zum Glück noch anders) und Klüngelei mit politischen und v.a. wirtschaftlichen Machthabern gibt es natürlich auch viel zu oft.
Dass der Autor dieses D&D-Artikels sich in die Ecke stellen und schämen sollte, steht für mich auch außer Frage.
Mir geht es aber um den Pauschalangriff auf den Beruf als solchen und alle, die ihn ausführen und die Behauptung, es gebe keinen unabhängigen Journalismus mehr, weil alles nur noch um Kohle ginge. Wirtschaftlichen Druck gibt es natürlich. Aber er ist mMn oft das geringste Problem, wenn die Recherche dünn ist oder Fehler im Text auftauchen - da spielen eher Themen wie Arbeitszeitverdichtung, ausgedünnte Redaktionen etc... eine Rolle.

Da gebe ich dir zu 100%

Da gebe ich dir zu 100% Recht... leider!

Immerhin sollte 2009 hier in

Immerhin sollte 2009 hier in Deutschland Paintball-Spielen verboten werden, während an die Schießvereine als erzkonservatives Klientel nicht rangegangen wurde (geschweige denn an Cowboy-Pistolen für Kinder an Fasching). Wobei ich prinzipiell jetzt auch kein Freund von Paintball bin, aber die Jungs können wenigstens ihrem Hobby gemeinsam fröhnen und werden wohl eher keine eigenbrödlerische und verklemmte Querköpfe (natürlich polemisiere ich gerade).

Sind die Vorschriften für

Sind die Vorschriften für Sportschützen nicht auch verschärft worden? Und hier oben bei uns (Flensburg) wurde der Paintball Platz im nahen Ellund (Außenareal - echt genial) einfach unter Naturschutz gestellt und damit war das Spielen dann vorbei. Wenn die Oberen wollen, reichen geltene Gesetze schon lange aus, alle aktuell als gefährlich gebrandmarkten Randgruppen zu gängeln.

Und Klientelpolitik kann nicht immer vor Verfolgung schützen... schließlich werden auch Spieler von Shootern gerne verunglimpft, obwohl diese ein millionenschweres Wählerpotential darstellen.

Ja, das mit den millionen

Ja, das mit den millionen Spielern, die potenzielle Wähler sind, ist ein guter Punkt. Die Gesetze für Waffen wurden in den letzten Jahren wirklich geändert, so dass etwas mehr Kontrolle der Schusswaffen und deren Besitzer gewährleistet ist und man etwas Älter sein muss für großkalibrige Waffen. Persönlich habe ichs mitbekommen, als mein Großvater (Jäger im ländlichen RLP) sich einen abschließbaren Waffenschrank zulegen musste, statt wie bisher nur die Munition unter Verschluss zu halten, was prinzipiell ja nicht verkehrt ist.

Die Kommentare...

... sind aber teilweise sehr gut! Die sollte man gleich mit lesen!

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