Wie ist eigentlich der Stand unseres Hobbies?
Wizards of the Coast entlässt, wie jedes mal in den den letzten Jahren ganz pünktlich zur Weihnachtszeit, eine handvoll Mitarbeiter und Feder & Schwert sieht, genau so wiederkehrend, schwarz und schwärzer für die Zukunft. Goodman Games hat schon vor einigen Wochen Katastrophen Szenarios gemalt und damit eine bereits etwas verstummte Diskussion zumindest im angloamerikanischen Raum neu entflammt. Dagen strahlen Firmen wie Kenzer&Co, Mongoose Pubslishing oder Green Ronin genau so gewohnheitsgemäß Optimismus für das Jahr 2010 aus, egal wie hart das Jahr 2009 für sie war.
Und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen?!?
Aus allem, was ich in den letzten Monaten erlebt und gelesen habe, ergibt sich für mich ein eher positives Bild. Den s.g. Brick und Mortar Läden gehts recht gut, soweit sie sich rechtzeitig auch auf Brett- und Kartenspiele ausgerichtet haben - Krisenzeiten sind gute Zeiten für Spieleläden. Der Verkauf an Rollenspielbüchern ist wohl eher stagnierend bis rückläufig, was aber hauptsächlich an dem Wegbrechen einer deutschen D&D Publikation liegen dürfte - DSA läuft trotz allen Unkenrufen recht gut und erfrischend viele Neupublikationen in deutscher Sprache erblicken in letzten Zeit das Licht der Welt (Savage World, Rolemaster, Traveller, Shadowrun, Pathfinder, etc.). Alt bekannte Systeme wie die World of Darkness und D&D scheinen dagegen auf immer schwächer werdenen Beinen zu stehen - und das nicht nur in Deutschland. Interessant eine grafische Darstellung der Marktdurchringung von RPG Systemen in den USA, die vor wenigen Wochen auf Enworld.org zu sehen war und aufzeigte, dass der Anteil von D&D 4th Ed. innerhalb nur eines Jahres von 75% auf 51% gefallen ist.
Zumindest in meiner Gegend finden sich auch immer noch neue Spieler, um die eigene Gruppe zu ergänzen oder ganz neu zu starten. Von wachsenem Desinteresse konnte ich nichts feststellen - ganz im Gegenteil habe ich mittlerweile 3 verschiedene Rollenspielrunden, die sich unterschiedlich oft treffen. Und das Alter reicht hier von Anfang 20 bis Ende 40, überspannt also problemlos 2 Generationen an Spielern.
Ich mach mir keine Sorgen um unser Hobby - die Spielsysteme scheinen sich etwas zu zersplittern, die Bindung an einzelne Systeme wird schwächer. Aber grade das ist eine Entwicklung, die im deutschen Markt mehr als überfällig ist. Die USA kennen dieses Phänomen schon lange und es hat stets zu Neuentwicklungen geführt, die das Rollenspiel im ganzen voran gebracht haben. Und auf eine Schwächephase der großen Systeme erfolgte in der Vergangenheit stehts eine Wiedererstarkung des ganzen Genres - man erinnere sich an Zeiten, als TSR sogar Fernsehwerbung für die 2nd Ed. von AD&D geschaltet hat oder die D20 OGL zur Gründung unzähliger Publisher führte.
Kommentare
Produkte und Nachwuchs
Mit Nachwuchs habe ich auch nicht so den Überblick. Ich denke aber, dass es schon reichlich Rollenspieler gibt. Und bei meinem Umzug habe ich auch viele Antworten auf meine Rundengesuche von Leuten um und unter 20 erhalten.
Bei den Absatzzahlen ist sicherlich ein Problem, dass Rollenspielpublikationen per se nicht überholt werden. So gibt es ja auch heute noch Spieler der Uralt-Editionen. Die bringen eben nicht zwangsweise Umsatz. Das Selbermachen durch das Internet bringt natürlich auch noch viel Konkurrenz zu kommerziellen Publikationen, was sich ebenso niederschlagen dürfte. Ich persönlich investiere gerne in unser Hobby, aber es gibt wenige Publikationen, die mich ausreichend begeistern, insbesondere wo die Freizeit eh schon weniger wird.
Ich denke also, dass sinkende Absatzzahlen nicht direkt auf den Niedergang des Hobbies oder das Aussterben unserer Zunft deuten. Im Gegenteil, ich denke die Spielerschaft pendelt sich auf einem gesunden Level ein.
Ich selber kaufe auch noch
Ich selber kaufe auch noch immer mehr Rollenspielbücher, als ich selber lesen oder gar spielen könnte. Zumal ich grade wieder AD&D 2nd spiele und an einer D&D Basic und einer Warhammer 2nd Ed Kampagne werkel - also nichts, wozu man noch Neuerscheinungen kaufe könnte.
Bei (A)D&D passt mir die Entwicklung des Systems nicht, DSA hat mich schon in der 1st Edition nicht gereizt, WoD kam mir immer zu intelektuell daher und Shadowrun ist ein System, dass sich bei mir stets nur zu Kurz-Kampagnen eignete.
Trotzdem erwerbe ich neue Bücher. In jüngster Zeit Traveller, Savage Worlds, Hackmaster Basic und einige Zusatzbände von Palladium Fantasy. Und dann, trotz hohem Preis, Dark Heresy und Rogue Trader. Sogar Cthulhu Bücher, wenn auch nur zur Anregung und zum Schmökern...
Viele Brick & Mortar Läden und auch Vertriebe und Verlage in Deutschland sind nicht Opfer schwindender Absatzzahlen, sondern einer falschen Ausrichtung. Wer glaubt, in kleinen Städten bei reiner Spezialisierung auf ein Hobby (sprich: Rollenspiel) auf Dauer überleben zu können, muss zwangsläufig scheitern. Und wer glaubt, seinen Käufern jede Art von Welten-/Regeländerungen im Gewand einer neuen Edition aufzwingen zu können, dem passiert das heute eben auch mit wachsender Wahrscheinlichkeit.
Neue Rekruten
Im Prinzip kann ich deine Einschätzung teilen und sehe die Sach ebenfalls nicht so negativ wie es häufig propagiert wird.
Auch deine demographische Betrachtung das Alter betreffend kann man so bestätigen.
Allerdings muss ich sagen, dass ich eben wenige neue Spieler unter 20 sehe. Das mag zum Einen an meinem eigenen Alter (28) liegen, kann aber auch darin begründet sein, dass sich eben in dem Alterssegment weniger Spieler finden.
Täusche ich mich da?
Zugegeben: im lokalen
Zugegeben: im lokalen Rollenspielladen (Gandalf) meines Vertrauens sehe ich auch mehr Personen Ende 20 bis Ende 30, die in den Rollenspielbüchern stöbern, aber die letzte Anfrage bezüglich Mitspielen in einer meiner Runden, kam von einem 17-jährigen Interessenten. Also scheint es noch den viel gesuchten Nachwuchs zu geben... :)