Der schleichende Tod der Forgotten Realms

Im Rahmen meiner neuen Kampagne habe ich intensiv nach Internetseiten und -portalen zum Thema Forgotten Realms gesucht. Vor gut 3 oder 4 Jahren gab es so viele, dass es schier unmöglich schien, allen zu folgen oder auch nur den Stand / Inhalt der verschiedenen Seiten gegeneinander abzuwiegen. Und heute?

Genau wie James mit seiner Underdark Gazette bin ich nur auf 2 interessante Seiten gestoßen:

Zu gebrauchen scheinen mir auch:

Und das wars. Es gibt, so weit ich heraus finden konnte, kein einziges FR Forum mehr, in dem regelmässig gepostet wird. Kein FR Portal, dass noch Content Updates erfährt. Nichts.

Die Forgotten Realms sind tot - die 4th Ed. der einst beliebtesten Fantasywelt hat ihr einen so gründlichen Todesstoß versetzt, wie ich es in Zeiten von Internet und Fan-Projekten nicht für möglich erachtet hätte. Anders als Greyhawk oder Mystara, scheint auch keine Welle von oldschool Anhängern für ein Weiterleben zu sorgen. Vielleicht ändert sich das ein wenig, wo die Underdark Gazette ebenfalls darauf hingewiesen hat und in den Kommentaren schon durchklingt, dass auch andere Rollenspieler die guten Zeiten der Realms vermissen. Aber für den Augenblick scheint die Hoffnung gering. Für jemanden, der annähernd 2 Jahrzehnte in dieser Welt verbracht hat, ist diese Erkenntnis eine ganz schön traurige...

 

Kommentare

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auf die nächste D&D

auf die nächste D&D Hiobsbotschaft kann man sich hier verlassen :D
das die FR gerade jetzt (angeblich) vor die Hunde geht, kann auch reiner Zufall sein. Das kann auch daran liegen, daß es weniger Romane gibt, oder das die letzten FR Computerspiele die Lizenz alle in den Sand gesetzt haben.
oder einfach daran, daß es sich überlebt hat. Die Konkurrenz schläft halt nicht und irgendwann sind es die Leute vielleicht einfach Leid sich in einem stagnierenden Setting gegenseitig anzuöden. Das es ausschliesslich an 4e liegt glaube ich nicht. Die Leute hätten ja bei den 3e FR bleiben können, sind sie aber scheinbar nicht.
ich persönliche würde den FR nicht nachtrauern, es gibt so viele gute Alternativen, auch als klassischer Fantasyspieler.

Die Realms - stagnierend? Ich

Die Realms - stagnierend? Ich glaube, man kann den FR einiges vorwerfen, aber Stagnation sicher nicht. Wenn du meinst, das sich die 3.x Welt nun nicht mehr offiziell weiter entwickelt - nun, ähnlich wie bei Greyhawk hätte ich erwartet, dass grade dies zu einigen richtig guten Fan-Portalen führen würde.

Ich denke, die meisten 3.5 Spieler sind zu Passfinder gewechselt und nutzen - im Rahmen der herausgegebenen Abenteuer - auch deren Welt.

Alternativen gibt es sicher viele - aber ich hab die Realms lieb gewonnen. Das dieses einst so weit verbreitete Setting nur noch so wenig Aufmerksamkeit gewinnt, macht mich wirklich traurig. In diesem Sinne handelt es sich bei meinem Posting auch um keine D&D Hiobsbotschaft... also nicht im eigentlichen Sinne. ;)

Das mit dem Tod der Realms

Das mit dem Tod der Realms kann ich verstehen. Ich war selbst ein begeisteter Spieler der Reiche, die mich viele Jahre lang begleitet haben. Ich mag auch die 4E, da ich sie als neue Art von Spiel verstehe und keinen Vergleich zu den anderen Editionen ziehe. Was ich ablehne sind allerdings die Realms 4E. Das liegt vor allem daran, dass vieles mit Absicht kaputt gemacht und neu geordnet wurde. Für Neueinsteiger sicherlich kein Problem, die kennen ja nur die neuen Reiche. Aber für mich hat diese Kampagnenwelt ihre Identität verloren.
 
Das die Reiche mit ihrer Präsenz im Netz von 100 auf 0 zurückgegangen sind, ist durchaus mit anderen Spielen zu vergleichen. Es fällt dort nur etwas stärker auf, da es so viele Seiten waren die verschwanden. Mal ganz davon abgesehen, dass heute schneller mal abgemahnt oder prozessiert wird als früher, alleine um Interessen zu sichern. Ich würde eher sagen, das Fanwork ist allgemein von 100% auf beinahe 0% geschrumpft. Es gibt nur noch wenige Spieler die Material zu ihrem "Haussystem" bieten. Viele kommen ja auch sofort mit eigenen Systemen oder Old-School-Derivaten daher. Zudem sind die Anforderungen an Privatmaterial gestiegen.
 
Mir ist bereits mehrmals aufgefallen, dass - wenn - jemand mal Material zur Verfügung stellt, die Leute hohe Anforderungen daran knüpfen. Sie wollen es höher, schneller und weiter. Mit "lieben" Tipps man solle doch Programme wie XYZ benutzen. Die gäbe es doch auch in einer Open-Source-Variante. Und dann bitte als PDF, und mit klasse Layout, da gäbe es doch Seminare etc. Vorbei die Zeiten, in denen Material auf bunten HTML-Seiten angeboten wurde, meist mit pixeligen Bannern versehen, Karten nur eingescannt vom Notizblock oder aus der eigenen grauen Box. Heute muss es schon ein interaktiver Atlas sein, oder am besten noch FR-Maps. Und die Arbeit leisten nur die Wenigsten nichtkommerziell.
 
Obwohl ich schickes Material mag, vermisse ich die guten alten Zeiten. Aber die Zeiten ändern sich und mir bleiben die tollen Erinnerungen an eine Welt und damit verbundene Abenteuer. Und für die Vergangenheit bin ich TSR und WotC dankbar. :)

Keine Frage - was TSR und

Keine Frage - was TSR und (wenn auch für meinen Geschmack nicht mehr ganz so gelungen) Wizards aus den Realms gemacht haben, war große Klasse. Natürlich gibt es Punkte, die streitbar sind. Für oldschooler bereits die Times of Troubles, aber da ist auch immer ein starker Hang nach einer statischen Welt vorhanden. Ich war immer der Meinnung, die Weiterentwicklung der Reiche durch Romane und Abenteuer war eine der gelungenen Seiten dieser Welt. Nicht immer im Detail, aber im Großen und Ganzen.

Sind die Ansprüche an Fanmaterial zu einer Welt aber wirklich so hoch? Ich habe andere Seiten einfach nach Ideen durchstöbert, nach neuen Ansätzen und um Hausregeln auf Übertragbarkeit zu prüfen.

Candlekeep wurde beendet, als durch die 4th Ed die Realms zerrissen wurden, so weit ich mich erinner. Da war auch einfach viel Frust dabei... und das beim größten Fan Portal der Realms.

ja

Ich denke, Cyric hat im großen und ganzen Recht mit seiner Analyse. Ich habe irgendwie auch das Gefühl, dass die Realms-Fanbasis sich seit dem Erscheinen der 4th-E-Realms in einer Art Schockstarre befinden.
Die Leute, die seit annudazumal Realms spielen, können mit dem, was da nun passiert ist, einfach nichts mehr anfangen. Da die Realms aber weiter offiziell supportet werden, gibt es aber auch niemanden, der nun irgendwie meint, in die Bresche springen zu müssen.
Auch ich könnter heulen. WotC hat bei den Realms den Arbeiter mit der Abrissbirne geschickt, wo ein filigraner Kunsthandwerker nötig gewesen wäre.
 

Ed Greenwood hat auch

Ed Greenwood hat auch gelitten. Er war zwar auch daran beteiligt - aber das Ziel war vorgegeben. Er konnte nur versuchen, Details zurecht zu rücken. Wie muss es sich wohl anfühlen, wenn das Lebenswerk eines Künstlers dermaßen zerstört wird...

Veränderter Nutzung des Internets

Ich glaube, das liegt gar nicht so sehr daran, dass die Forgotten Realms weniger beliebt sind als früher (auch wenn das ebenfalls der Fall sein mag). Du findest auch für andere beliebte Welten nur wenig Material. Die Nutzung des Internets hat sich geändert, es hat sich professionalisiert. Den Herstellern ist es gelungen, einen großen Teil des kreativen Potenzials in Communitys auf der eigenen Homepage zu bündeln: vieles, was man früher auf Tausenden privater Homepages finden konnte, findet sich heute in der Wikipedia. Gleichzeitig gibt es so viel Material, dass man kleine Seiten zu bekannten Themen kaum findet. Es ist heute auch nicht mehr so einfach, eine Hobby-Seite hochzuziehen, wie es vor einigen Jahren noch war - die Ansprüche an Gestaltung und Technik sind enorm gestiegen.

Wikis sind toll, keine Frage

Wikis sind toll, keine Frage - sie zeigen aber nur den offiziellen Stand der Welt, keine eigenen Ideen, Hausregeln oder ähnliches. Wo sind die geblieben?

Und ist es nicht so, dass es nie einfacher war als heute, eine eigene Seite ins Netz zu stellen? Baukastensoftware, egal ob echte Software oder direkt auf der Seite des Web Hosters, machen doch den größten Teil der Arbeit.

Vielleicht hat sich wirklich auch die Nutzung des Internets geändert - dies würde aber bedeuten, dass auch hier nur noch konsumiert und kaum noch kreativ agiert wird. Too bad...

Foren und Portale

Den Almanach, also die Zusammenfassung der Welt, ist praktisch komplett in die Wikipedia bzw. weltspezifische Wikis abgewandert. Hausregeln und eigene Ideen werden heute in Foren besprochen, Abenteuer auf Portalen veröffentlicht - oftmals werden diese Foren und Portale vom Hersteller direkt zur Verfügung gestellt. (Das hat auch den Vorteil, dass die eigenen Idee nicht im Wust des sonstigen Internet untergehen, sondern dort zu finden ist, wo andere auch danach suchen)

Wenn man heute eine erfolgreiche Homepage betreiben möchte, muss man viel spezialisierter und professioneller vorgehen als noch vor wenigen Jahren. Für bekannte Systeme ist man in der Regel besser bedient, in einem Forum oder an einem Portal mitzuarbeiten - denn Software und HTML waren nie das Problem.

Die Nutzung hat sich verändert, ja, aber die Nutzer sind ebenso kreativ wie eh und je. Lediglich das Werkzeug "private Homepage" hat in aller Regel ausgedient, weil andere Werkzeuge heute wesentlich praktischer sind. Vermutlich findest du im Forgotten-Realms-Forum bei WotC mehr Material zu den Forgotten Realms als auf all den ehemals Tausenden privaten Homepages zusammen.

Hier einmal der Link zum FR

Hier einmal der Link zum FR Bereich im Wizards Forum: FR Bereich bei WotC

Ich finde die Anzahl an Postings jetzt nicht so beeindruckend. Inhaltlich muss ich noch schauen... mal guckebn, was kommt. :)

Ich glaube das siehst Du

Ich glaube das siehst Du falsch. Es betrifft nämlich auch alle anderen alten Rollenspiele. Ich habe in einem Anflug der Nostalgie dieses Jahr mehrere Klassiker aus dem Schrank geholt und im Internet nach entsprechenden Seiten gesucht. Früher wurde ich erschlagen, nun ist weitgehend Ebbe. Also genau das Phänomen, das Du beobachtet hast. Nur halt mit anderen Kampagnenwelten und Systemen. Woran das genau liegt, versuche ich gerade herauszufinden.
Eigentlich müssten die gegenwärtigen medialen Möglichkeiten erst recht dafür sorgen, dass es eine Schwemme an Angeboten zu etablierten und bekannten Sachen gibt. Aber so wie es aussieht zerstreuen die neuen Möglichkeiten den Fokus. Da nun mehr Leute ohne großen Kenntnisse und große Investitionen was machen können, ergreifen sie wohl die Möglichkeiten und präsentieren viel eigenes Material. Zudem scheint der Trend auch dazu zu gehen, mehrere Systeme anzuspielen und kein Haussystem und - setting mehr zu haben, in das viel Arbeit und Zeit investiert wird. Im Bereich Tischrollenspiel wird mehr angeboten und auch mehr konsumiert, anstatt sich produktiv auf wenige Systeme zu stürzen. Das ist jedenfalls eine Vermutung von mir.

Hm, ich kann mich da zu

Hm, ich kann mich da zu anderen Systemen / Welten wenig äussern. Kalamar (KenzerCo) war immer wenig im Netz vorhanden und Hackmaster als System sowieso.

Aber die Realms waren die beliebteste aller Rollenspielwelten. In diesem Fall ist die Begeisterung von 100 auf quasi 0 zurück gegangen - das ist mit dem Rückgang anderer Settingseiten m. E. nicht unbedingt zu vergleichen. Und ich denke, da hat die 4th Edition schon einen gewlatigen Einfluss gehabt: die Times of Troubles zu verdauen, war für viele hardcore Realms Spieler schon hartes Brot. Die Ereignisse zahlloser Romane danach (bis hin zu Azouns Tod) noch einmal mehr... aber dann die Welt zu zertrümmern und 100 Jahre später neu zu beginnen  - das ging wohl 97% der Realms Fans eindeutig zu weit.

Ich gebe dir aber (leider) in so weit recht, als das der Rollenspiel "Nachwuchs" wohl keine große Begeisterung mehr für Hintergründe aufweist. Die Encounter Serie von WotC ist da wohl entweder Vorreiter, Wegbereiter oder einfach nur deutlicher Hinweis auf den derzeitigen Zustand des Marktes.

Hm, ich halte die

Hm, ich halte die Schlussfolgerung für gewagt. Wieviele Seiten gab es denn zu 3e Zeiten, wieviele kurz vor und wieviele kurz nach dem erscheinen von 4e bzw. dem FR Campaign Guide? Ich denke, es hat (auch) andere Gründe. Mir scheint es derzeit allgemein so zu sein, das Rollenspiel nicht gerade auf dem aufsteigenden Ast ist, sondern Umsätze und Spielerzahlen eher zurück gehen. Für eine Retrowelle jedenfalls müsste sicher erst einmal eine Zeit ins Land gehen, in der keiner mehr die FR spielt. Direkt nach dem Hype kommt sowas ja nicht. Zu wünschen wäre es auf jeden Fall, denn Faerun ist ja sehr beliebt (auch wenn ich es nur bedingt mag).
 
Die einfacheren Möglichkeiten etwas zu veröffentlichen führen beim RPG, glaube ich, eher zu einem Nachlassen der Menge an Veröffentlichungen. Qualitativ gutes Material zu liefern ist nun einmal eine Heidenarbeit. Das braucht viel Zeit, kreative Energie und Zielorientierung. Wenn man sich mit mehreren Leuten zusammen schließt, kann man das einfacher bewältigen. Aber wenn jeder mehr für sich veröffentlicht, wird die Qualität schlechter. Und bei mir zumindest ist es so, dass ich Material unterhalb einer gewissen Qualitätsschwelle gar nicht erst anfasse, weil es sehr viel Arbeit ist das auszugleichen. Und darum, vermute ich, sterben kleine Seiten einfach viel viel schneller wieder aus als große.

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