Falsches Rollenspiel

Kann man ein Rollenspiel eigentlich falsch spielen? Gibts es klare "NO GO"s oder ist wirklich alles einfach abhängig von persönlichen Vorlieben?

Wenn man durch einige Foren oder Blogs schaut, scheint es tatsächlich eine Menge falscher Arten zu geben. Sei es, dass die jeweilige Kampagnenwelt nicht richtig dargestellt wird oder Hausregeln das System verwässern oder neue Editionen nicht vergleichbar mit den echten, alten Originalregeln sind.

Diese Streikultur scheint auch unabhängig vom jeweiligen System zu sein - man kann sie bei DSA genau so verfolgen, wie bei A(D&D), Traveller oder Warhammer. Alles, was ein System benötigt, um streitbar zu werden, ist:

  • mehr als eine Edition
  • eine (oder mehrere) offizielle Hintergrundwelt(en)

Das wars. Zwei Punkte, die teils kriegerische Auseinandersetzungen um die richtige Art zu spielen entfachen werden.

Warum ist das so? Warum neigen einige(?) Rollenspieler so sehr dazu, anderen klar machen zu wollen, dass ihre Art zu spielen falsch ist? Eine mögliche Erklärung fand ich in einem amerikanischem Blog:

"Most of those guys aren't running a game and aren't playing a game due to personality disorders; they are bitter because you and other people are running games and playing in games, and their only joy is disrupting your happiness."

Ist es das? Sind die meisten der Foren Rambos schon lange Zeit nur noch theoretisch mit dem Rollenspiel verbunden und finden gar nicht mehr zu Spielrunden zusammen? Ist es generell eine Sache des Alters - das man mit ein oder zwei Jahrzehnten Spielerfahrung der Meinung ist, den Frischlingen mal auf die Sprünge helfen zu müssen? Oder ist es einfach nur die Anonymität des Internets, die aus einfachen Fragen oder Blogeinträgen so leicht Flamewars hervorrufen kann?

Seltsam, dass sich ein Hobby (aso Pen&Paper RPGs), dass eher ein Randdasein fristet, sich selber so fraktioniert, anfeindet und in sinnlose Diskussion versteift. Muss man vielleicht einen kleinen Schaden haben, um überhaupt dem Bann des Rollenspiels zu verfallen und... sind all die Flamewars nur Auswirkungen unserer "besonderen" Fantasyie?

Kommentare

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Rollenspiele sollen in erster Linie Spaß machen!

Bei den meisten Penandpaper Games steht vorne drin: If you dont like a rule change it! Daran halten wir uns auch. Allerdings hat der Meister im Zweifelsfall das letzte Wort, weil er sich schließlich auch die ganze Arbeit macht beim Vorbereiten des Avbenteuers. Das ist nur fair. Wer sich zu strickt an die geschriebenen Regeln hält, spielt nach einem System, welches sich fehlerhafte Menschen ausgedacht haben. Egal wieviel Play Testing bei einem RPG vor Veröffentlichung passiert ist, das gilt für RPGS und auch für Onlinerollenspiele, es kann nie alles perfekt ausgewogen und logisch sein. Das liegt eben in der Natur der Sache. Aber im Alter wird man da ruhiger und ist froh, wenn überhaupt mal alle zum Rollenspiel Zeit haben und einfach nur Spaß haben... ;-)

falsches Rollenspiel

 

Rollenspiele falsch Spielen? Ja das geht! Es hängt ganz klar davon ab worum es einen beim Spielen geht.
 
Ich achte sehr auf die D&D 3.5 Regeln und versuche sie als Meister auch möglichst genau umzusetzen.
 
Jedoch sind Regeln auch da um sie abzuändern und wenn etwas unklar ist wird nachgeforscht und übergangsweise eine eigene Lösung gewählt.
 
Wenn man auf Spaß am Spiel fixiert ist dann kann man nicht falsch Spielen, solange es nun mal Spaß macht. Da ist es völlig egal wie eine Regel gemeint ist, hindert sie den Spielspaß kommt sie halt weg, ganz leicht.
 
Wenn man wie meine Gruppe den Regeln möglichst treu bleiben will dann kann man sehr viel falsch machen, jedoch sollte auch da der Spaß nicht verloren gehen.
 
Ich denke gerade neue Spieler legen nicht so viel Wert auf die ganzen Detail Regeln.
 

Tatsächlich kann man diesen

Tatsächlich kann man diesen Eindruck gewinnen und bei einigen mag das durchaus der Fall sein. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass auch eine gewisse Überheblichkeit eine Rolle spielt. Mit Aussagen wie: "Ich spiele besser als du, denn du spielst falsch/schlecht!" oder "Ich spiele das bessere System als du!" stellt man sich höher und anderen herab, denn man macht deutlich, dass man mehr aus dem Hobby zieht als andere, ja sogar mehr Spaß hat als der andere. An der Tatsache, dass dies Unsinn ist, sind diese Leute erst einmal gar nicht interessiert. Anonymität und Gruppenbildung tragen dann ihren Teil dazu bei.
 
Doch es gibt auch Leute, die es einfach nicht besser wissen. Weil sie nur wenig Vergleichsmöglichkeiten kennen. Das habe ich oft erlebt. Typischerweise mit Savage Worlds: Wenn der Spieler vorher 15 Jahre lang nur komplexe Systeme (typischerweise DSA) gespielt hat, dann ist Savage Worlds tatsächlich schneller oder vielleicht sogar eine Erleuchtung für ihn. Das es da draußen aber viel mehr und auch besseres gibt, ist dann egal, denn er wurde erleuchtet und diese Erleuchtung muss er vor jedem Zweifler beschützen. Auch, bzw. gerade in Foren.

Ich denke, es hängt auch viel

Ich denke, es hängt auch viel damit zusammen ,dass Rollenspiel rein emotional ist kaum objektiv zu betrachten ist. Es gibt (leider) keine objektiven Fakten über die Qualität und Art und Wiese des Spiels, so dass man verschiedenen Editionen und Spielstile mit einander vergleichen könnte. Entsprechend emotional sind die Diskussionen. Dazu kommt die Tatsache, dass das Internet sowieso Trollen und Flamern ein gutes Medium bietet, was sich bei allen Themen zeigt, nicht nur Rollenspiel. Und der eine oder andere ist sicher so verbittert und gehässig, dass er Spaß daran hat, anderen den Spaß zu nehmen. Aber das werden nicht viele sein.

Ich denke damit macht man es

Ich denke damit macht man es sich zu einfach. Ich finde man kann sehr wohl ein Rollenspiel "falsch" spielen. Man kann die Regeln missverstehen, auf Situationen anwenden für die sie nicht gemacht sind oder einfach nur als Spiel(leit)er Entscheidungen fällen, die von der Spielidee her anders getroffen werden sollten.
Das sind legitime Kriterien nach denen man ein Rollenspiel falsch spielen kann. Über solche "Fehler" kann man sich wie ich finde sehr gut unterhalten, und darüber sprechen ob und was sich am Spiel verändert, wenn man diese "Fehler" vermeidet. Was jedoch schnell passiert, ist dass dieses "falsch spielen" irgendwie viel zu schnell als persönlicher Angriff verstanden wird (oder in manchen Fällen als solcher benutzt wird).
Denn unterm Strich ist es doch vollkommen belanglos, ob man ein Rollenspiel falsch spielt oder nicht. Wenn man etwas daran ändern will, dann wird man sich nicht daran jucken, dass die bisherige Spielweise "falsch" ist. Und wenn man nichts daran ändern will, dann wird einem kein Zacken aus der Krone brechen, weil irgendjemand irgendwo das nicht abnickt und für gut heißt.

Falsch Spielen?

Wo fängt dann "falsch spielen" an? Beim Weglassen von bestimmten Regeln? Grade das zeichnet ja viele s. g. oldschool Systeme aus - das man eben nicht jede mögliche Regel spielt, sondern probiert, was gefällt und weglässt, was man nicht versteht oder einem zu sperrig erscheint.

Ich finde es erstaunlich, wie leicht auch Diskussionen entstehen, was der Atuor (z.B. Gary Gygax oder Ulli Kiesow) wirklich mit dieser Regel wollte und warum sie wichtig ist und eben nicht weg gelassen werden darf. Am besten noch mit einem Interview Zitat o. ä.. Selbst wenn es gute Gründe für eine Regel gibt - spielt eine Gruppe dann falsch, wenn sie gut auf sie verzichten kann?

 

Ich sehe das anders

"Grade das zeichnet ja viele s. g. oldschool Systeme aus - das man eben nicht jede mögliche Regel spielt, sondern probiert, was gefällt und weglässt, was man nicht versteht oder einem zu sperrig erscheint."
Das halte ich nicht für richtig. Old School ist kein beliebiger und willkürlicher Umgang mit Regeln. Ich denke hier wird der zweckmäßige Umgang mit Regeln zu einem Ideal erhöht, dass nicht wirklich praktiziert wird. (Oder viel mehr in der Abkehr vom stark regeltreuen und von Regeln gesteuertem Spiel wird dieser Teil des Old School-Ethos unverhältnismäßig stark betont.) Wenn man auf den Kampfwurf verzichtet; HP nicht errechnet, sondern bestimmt; statt Levels einfach frei Steigerungen verteilt und statt in einem Fantasysetting in einem modernen Stadtsetting spielt... dann würden die meisten Leute nicht sagen, dass da jemand D&D richtig spielt. Schon gar keine Old Schooler.
Man darf dieses "falsch spielen" nur nicht überbewerten. Es ist weder eine Verurteilung, noch ein Charakterfehler, noch sonst irgendwas. Man spielt dann halt D&D nicht so wie es gedacht ist. Mehr auch nicht. Und man verlässt ggf. dadurch auch den gemeinsamen Rahmen um sich mit anderen D&D-Spielern vernünftig über D&D unterhalten zu können. Es passiert halt zu schnell, dass man über grundverschiedene Dinge redet, aber die beinahe gleichen Worte benutzt.
Manchmal führt "falsches spielen" dazu, dass das Spiel mehr Spaß macht (vgl. Hausregeln). Meistens jedoch ist es eher so, dass das Spiel dann anders Spaß macht (z.B. regelarme DSA/D&D-Runden mit viel "Rollenspiel"). Und in einigen Fällen macht es halt keinen Spaß (z.B. Forge-spiele deren Regeln zum Teil einen ganz anderen Zweck haben, als man es von Rollenspielregeln gewohnt ist).
Ein Rollenspiel falsch spielen, heißt nicht es schlecht zu spielen. Es heißt lediglich es für eine Aufgabe zu benutzen, für die es nicht geschrieben wurde. Und dass diese Aufgabe nicht lautet "hab Spaß wie es dir passt", das muss hoffentlich nicht noch extra betont werden.

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