Hasbro's Einfluß auf WotC & die Zukunft des Rollenspielmarkts

Ryan Dancey (ehemals WotC) hat seit seiner Entlassung ein wenig mehr Zeit - und die nutzt er glücklicherweise nicht zum Nachtreten gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, sondern zur Offenlegung verschiedener Vorgänge, die Wizards betrafen, betreffen und vermutlich auch zukünftig betreffen werden.

Zum einen hat R.S.D. einen äusserst interessanten Artikel über die Art und Weise veröffentlicht, wie WotC im Hasbro Unternehmenskontrukt aufgestellt ist und welche Wirkungen dies auf die einzelnen Produktsparten hat. So sie die einzelnen Produkte (Trading Cards, D&D, Miniaturen, etc.) auch allesamt einzelne Bilanzposten mit eigenständigen Jahres-Umsatzerwartungen. Und während Magic diese magische Grenze von 50 mio Dollar problemlos überspringen konnte, entpuppte sich die Hürde für Dungeons und Dragons als zu hoch - zumal digitale Lizenzen zum RPG noch nicht einmal diesem Posten zurechnet werden dürfen.
Je weiter man den Artikel liest, desto klarer wird auch das Entlassungsverhalten bei WotC. Nicht, dass es auch menschlicher oder spieltechnischer Sicht immer Sinn machen, aber aus ökonomischer und produktverantwortlicher Sicht evtl. schon. Denn so, wie Hasbro Zielvorgaben ausgab, reichten die RPG Designer von WotC auch Pläne ein, wie diese zu bewerkstelligen wären. Das dann schon gleich zu Beginn von D&D 4th Ed. der Virtual Gaming Table scheiterte, weil er nie die hoch technisch gesteckten Ziele erreichen konnte - und das bei einem Regelsystem, dass voll auf DDI und VGT ausgelegt war - war ein tödlicher Nackenschlag für den Business-Plan, bevor die ersten Regelbuch Sets überhaupt in den Regalen der Händler standen.

Den vollständigen, wirklich interessanten Artikel, findet ihr hier: Hasbro & WotC.

An anderer Stelle erklärt Dancey, wie WotC junge Spieler für Dungeons & Dragons gewinnen wollte - und wie auch dieser Plan scheiterte. Hier wird deutlich, dass regelmässiger Austausch von Verantwortlichen langfristigen Projekten einfach immer schaden - wer selber Projektarbeit in seinem Arbeitsumfeld macht, kennt dieses Phänomen wohl zu genüge: Kids into D&D.

Ein weiterer ausführlicher Post beschäftigt sich mit dem Rollenspielmarkt an sich - natürlich US bezogen, aber trotzdem durchaus interessant und auch auf europäische Verhältnisse übertragbar. Hier geht es um die Anzahl der Brick & Mortar Läden, um die Vertriebswege von Rollenspielen, um die Vergangenheit bei TSR und WotC, die Gegenwart bei Wizards, Games Workshop und Paizzo und die Zukunft des Rollenspielmarkts: RPG Industrie.
Und zu diesem Themenkomplex, aber auch die Hintergründe der 3rd Edition von Dungeons & Dragons, handelt auch der letzte Link: Wer ist Ryan Dancey?

Ich war von der Qualität der Inhalte sämtlicher Texte begeistert. Vermutlich muss man dem Hobby und auch dem D&D System schon lange treu sein, um eine ähnlich hohe Begeisterung beim Lesen zu entwickeln, aber ich kann allen nur raten, die Zeit einmal aufzubringen und zu lesen, was dieser Mann zum Stand des Hobbies zu sagen hat.
Solche Einträge machen mir immer wieder deutlich, warum Enworld immer noch ein großartiges Rollenspiel Portal ist - auch wenn man die dort aktuell behandelten Systeme eigentlich meidet.

 

Kommentare

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Das gibt wirklich extrem

Das gibt wirklich extrem guten Einblick, besonders im Vergleich mit dem, was man sonst so bekommt. Die Vorgaben von Habro sind krass und vertragen sich gar nicht mit dem "Liebhaberstil", den man sonst im Genre eher hat. Aber es scheint auch einige nicht ideale Entscheidungen gegenben zu haben. Warum dieser eine Tod, so tragisch er auch ist, einen so starken Effekt auf das DDI-Team hatte und damit alles hat zusammen brechen lassen, will mir aber nicht so ganz in den Kopf. War der der Kopf hinter allem Digitalen? Aber vielleicht ist es auch besser so für uns. Weiss nicht, ob mir das gefallen hätte. Wobei eine ausgereifte Spielelandschaft mit Coop-Mode aufm Handy udn so klingt auch super interessant. Aber es klingt vermutlich besser als es dann erstmal sein wird. Vielleicht auf lange Sicht...

Ich vermute, dass lief wie

Ich vermute, dass lief wie viele IT Projekte... neben 5 oder 6 Leuten, die Leiten und Organisieren wollen, sitzen nur 1 oder 2 da, die letztlich programmieren, selber testen und auch noch Inhalte festlegen müssen.

Und ja... Dancey schreibt echt gut. Und man spürt da nichts von nachtreten oder bösen Absichten... eigentlich im Gegenteil sogar, erklärt er doch das manchmal schizophren anmutende Verhalten von WotC in den letzten Jahren.

Ich vermute eher, der war der

Ich vermute eher, der war der eine, der Ahnung und die Vision hatte. Der Rest waren bloß Ausführende oder Organisierende (eher ersteres). Ist ja in kleinen Klitschen üblich, dass nix dokumentiert ist. Und wenn der Mann dann weg, ist, ist alles weg. Aber warne die wirklich so blauäugig, dass es gar nichts außerhalb seines Kopfes gab? Das wäre wirklich arm, bei einem Projekt, dass absolut vital für die Firma ist.

Danke für die Links, hört

Danke für die Links, hört isch verdammt interessant an. Muss ich gleich mal lesen.

Muss ich mal alle nachlesen!

Muss ich mal alle nachlesen! Danke für die Links. 

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