Hitlers Flugscheiben im Rollenspiel

Auf Cthulhus Ruf entwickelt sich vor gut 2 Wochen eine hitzige Diskussion, ob nicht ein Kampagnenband für Cthulhu im 2. Weltkrieg möglich wäre. Neben inhaltlicher Kritik am Blog Eintrag warfen einige Kommentatoren den Befürwortern auch

  • ein Öffnen des Hobbies Rollenspiel gegenüber "den Rechten";
  • ein Verharmlosen des 2. Weltkriegs durchs Inkludieren von Okkultismus, etc.;
  • ein Entdämonisieren der Nazis, indem auch solche NSCs Hintergründe / Motivationen erhalten;

vor.

Der Blogeintrag ist aufgrund der darauf folgenden Diskussion leider nur noch angemeldeten Mitgliedern zugänglich - eine Reaktion auf die geschwungene Nazikeule einiger Diskutanten.

Ich selber habe da eine recht offene Einstellung zum Thema und habe selbst schon Weird Wars 2 und Cthulhu im WK2 geleitet, dabei allerdings auch unterschiedliche Erfahrungen mit den jeweiligen Spielern gemacht. Grade was das Thema Motivation der NSCs anging - was in guten Fantasyabenteuern einfach dazu gehört (Lösung vom schwarz/weiss Denken), liess einige Spieler in diesem Umfeld schon schwer schlucken.

Interessant in diesem Zusammenhang finde ich aber den folgenden Blogeintrag

Flying Saucers of the Third Reich

und den jüngeren Daily Mirror Artikel, auf dem dieser beruht

Hitler's secret flying saucer

Der 2. Weltkrieg bietet zahllose Abenteuer Ideen. Als Spielleiter gilt es lediglich, die Vorlieben der Spieler richtig einzuschätzen und vor allem nicht unnötig und gegen den Willen beteiligter Spieler Grenzen zu überschreiten. Wenn sich einzelne Beteiligte bei dem Gedanken unwohl fühlen, okkulte Riten in den Gewölben eines KZs zu erleben / zu verhindern, dann sollte man dies als Spielleiter auch nicht forcieren. Als Deutscher obliegt uns eine gewisse tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema, die es vielen unmöglich macht, so eine Form des Horrorrollenspiels wirklich zu geniessen. Aber das sollte niemanden daran hindern, Hitlers Flugscheiben vom Himmel zu holen, und schon gar nicht aus Angst davor, "den Rechten" Futter für ihre Ideologie zu spenden.

Weird Wars 2 bietet bei Interesse viele gute Ansätze, leider mit einem etwas holprigen Regelsystem. Aber zum Einlesen und sich Gedanken machen, ob man so eine Kampagne leiten / pielen möchte, ist dieses System auf jeden Fall zu empfehlen. 

Kommentare

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Ich möchte darauf hinweisen,

Ich möchte darauf hinweisen, daß Weird Wars II früher mit einer D20-System-Umsetzung verfügbar war, aber in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Savage Worlds Regelsystem BESTENS spielbar ist.

Weird Wars II ist heutzutage nicht nur in einer spielbareren Regel-Umsetzung verfügbar, sondern trifft mit Filmen wie Inglourious Basterds und den Serien Band of Brothers bzw. The Pacific auf mehr Interesse an militärischem Rollenspiel auch im 2. Weltkrieg, als dies früher der Fall war.

In den Achtzigern hätte man hierzulande sicher NICHT mit einem 2. Weltkriegs-Setting die politisch durchaus sensiblen Spieler angesprochen. - Heutzutage ist der 2. Weltkrieg aber länger her, als die meisten ELTERN der heutigen Spieler alt sind. Damit rückt WWII als Setting immer näher an andere historische Settings heran, die auch weiter zurückliegen, als man es sich noch vorstellen kann.

Wie bei JEDEM Thema, das man im Rollenspiel aufgreift, kann es auch beim 2. Weltkriegs-Setting Spieler mit besonderen Empfindlichkeiten geben, so daß man vorher gefälligst miteinander REDEN sollte. - Wer 2. Weltkriegs-Action wie im Kriegsfilm oder knallhartes militärisches Rollenspiel im 2. Weltkrieg spielen möchte, aber nicht im Gebiet der Vernichtungslager spielen mag, der kann sich ja den Kampfschauplatz Nordafrika oder den Pazifik herausgreifen. Der 2. WELTkrieg fand ja nicht nur in Osteuropa statt.

iUnd je mehr "Weirdness" man einbaut, je mehr Monster oder Mythos-Kroppzeugs man auftauchen läßt, desto weniger historisch-beklemmend wirkt das Ganze ja. - Es ist dann eher ein entspannteres militärisches Acton-Kino-Spielen möglich, wenn man Spitfires gegen Nazi-Gargoyles steuert, wenn man russische Politkommissare gegen Nazi-Blutmagier schickt, und wenn man OSI-Feldkaplane gegen Nazi-Wehrwolf-Einheiten antreten läßt.

Insgesamt finde ich es wirklich an der Zeit im SPIELERISCHEN Umgang auch und gerade mit dem 2. Weltkriegs-Setting zu einem NORMALEREN Umgang zu gelangen. - Das stellt kein Leugnen historischer Fakten dar, keine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern, aber es stellt eine Abkehr von der - schon allein aufgrund der langen Zeit - nicht mehr wirklich empfindbaren, alles LÄHMENDEN "Erbschuld" aller Deutschen dar. Ein normalerer Umgang mit 2. Weltkriegs-Versatzstücken in einem UNTERHALTUNGSMEDIUM wie Rollenspielen, ist inzwischen möglich. Daher kann man auch seinen Spaß an Reichsflugscheiben und der Thule-Gesellschaft haben. Weird Wars II ist auch hierzulande ein gern gespieltes militärisches Rollenspiel-Setting.

Ich bin kein Freund von

Ich bin kein Freund von Savage World, weswegen dieser Systemwechsel für mich keine Verbesserung darstellt, aber du hast natürlich recht. Es gibt erste Bände für WW2 und ich hoffe für die Interessierten, dass weitere hinzu kommen.

Danke aber erst einmal für deinen langen Kommentar. Ich stimme mit dir in diesenPunkten absolut überein, aber wie die Bewertung dieses Blogeintrags bei rsp-blogs und vor allem die Diskussionbeiträge Cthulhu.de zeigen, sehen viele aktuelle Rollenspieler dies immer noch anders.

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