Kinder und Fantasy Rollenspiel

Mein Sohn ist mittlerweile 7 Jahre alt und in den letzten 2 Jahren hat er ein immer größeres Interesse am wichtigsten Hobbys seines Vaters gezeigt: dem Rollenspiel. Aber wie führt man ein Kind an dieses Hobby heran? Noch dazu in einer Weise, die seine Mutter nicht verstört, da letztlich ja auch Kampf und Tod ein wesentlicher Bestandteil eines Abenteuers sind.
Mein erster Gedanke war eine Sitzung mit den Basis Regeln von D&D (der roten Box aus den 80ern), aber die Unsicherheit überwog, in wie weit ein siebenjähriger die Abstraktion des Spiels bereits ausreichend begreifen kann. Und wie viele Geschichten kann man als Spielleiter erzählen, ohne doch den Tod von Protagonisten oder des jungen Helden selbst herauf zu beschwören? Wo ist überhaupt die Grenze bei dieser Art von Einführungsspiel was dem Zufall (also dem Würfel) überlassen sein sollte?
Durch Diskussionen mit anderen Vätern, die hauptsächlich via Twitter erfolgte, bin ich auf einen Umweg gekommen, um meinem Sohn das Rollenspiel näher zu bringen. Mit Spielen wie Flottenmanöver (Schiffe versenken) und Trans America haben wir uns weg bewegt von "typischen" Kinderspielen und stattdessen Brettspiele getestet, die Strategie statt Glück belohnen. Beides hat hervorragend funktioniert, zumal die durchschnittliche Dauer einer Partie bei jeweils einer guten 1/2 Stunde liegt und damit vollkommen im Bereich kindlicher Aufmerksamkeit.
Letztes Wochenende dann sind wir einen Schritt weiter gegangen und haben zum ersten mal ein Fantasy Brettspiel aufgebaut: Talisman. Die Neuauflage von FFG / Pegasus Spiele besticht durch eine klasse Aufmachung, schöne Figuren und wirklich toll designten Abenteuer- und Zauberkarten. Begeistert hat sich mein Sohn auf das Spiel gestürzt, trotz teils langer Texte, die es zu lesen und zu verstehen galt. Im Verlauf des Spiels sind wir dann dazu übergegangen, dass längere Texte von mir gelesen und erklärt werden, während kürzere von ihm vorgelesen und das Verständnis dann durch anschließendes Gespräch geprüft und vertieft wurde. Gut 1 1/2 Stunden sind unsere Helden durch den äußeren Ring der Talisman Welt gewandert, haben Oger und Geister besiegt, gezaubert und magische Waffen und Rüstungen erbeutet und damit letztlich angedeutet, was auch typischer Inhalt einer Rollenspielsitzung ist. Spielbrett und -figuren haben gleichzeitig etwas greifbares zur Verfügung gestellt, wodurch das spielerische viel deutlicher als bei einem Pen & Paper Rollenspiel zum Vorschein kam und so auch gut von einem siebenjährigen Jungen verarbeitet werden konnte. Leider reicht die Konzentrationszeit in diesem Alter nicht aus, eine Runde Talisman auch zu beenden. Aber für einen Einstieg in das Fantasy Hobby scheint es mir nach dieser Erfahrung bestens geeignet.
Falls jemand Fantasy Brettspiele mit kürzerer Spieldauer kennt oder weitere Tipps hat, würde ich mich über Hinweise dazu wirklich sehr freuen!

Kommentare

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Bei Pegasus Spiele ist gerade

Bei Pegasus Spiele ist gerade ein Spiel für jüngere Einsteiger rausgekommen.
Nennt sich "Quest: Zeit der Helden"
Bisher ist draussen das Modul "Angriff der Orks".
Ich selbst habe es noch nicht gespielt, aber werde es demnächst mal probieren mit meinem achtjährigen Sohn.
Vielleicht ist das ja was.

Hey, danke für den Tipp! Ich

Hey, danke für den Tipp! Ich werde auf jeden Fall einen Blick hinein werfen!

Ich hab Quest jetzt mal mit

Ich hab Quest jetzt mal mit meinem Sohn gespielt.
Es verbindet Elemente des "Soloabenteuers" (Spielbücher) mit Elementen des Rollenspiels und Tabletops (um Kämpfe visuell darzustellen).
Alles was man zum spielen braucht, ist im Paket enthalten, Stift ebenso wie zwei zehnseitige Würfel.
Ein erfahrener Rollenspieler bzw. Spielleiter kann da wunderbar drauf aufbauen und das lässt sich wunderbar für Kinder nutzen.
Allerdings sollte man sich die Regeln gründlich auch vor dem ersten Spiel durchlesen, auch wenn für das "Einführungsabenteuer" was anderes empfohlen wird, sonst ist man spätestens bei dem Kampf in der Bredouille.
Und der einzige "negative" Kommentar von Seiten meines Sohnes war: das nächste Mal nehm ich den Zwerg!
Ich kann es für Kinder nur empfeheln, da durch die beiliegende Landkarte, einige Fähigkeitskarten und kleine Pappaufstellerfiguren (sehr robust) ein visueller Aspekt mit reinkomt, der gerade Kindern gut taugt.
Sie reden nicht nur darüber, was Sie tun, sie sehen es auch noch.
Das einzige, was ich noch "nachkaufen" werde, sind ein paar Miniaturen, die den Charakteren entsprechen... sieht einfach noch schöner aus.

Vielen, vielen Dank für

Vielen, vielen Dank für dieses Posting! Das klingt super... hatte es schon in der Hand, aber dann doch wieder Zweifel, ob es nicht rausgeworfenes Geld ist, wenn man die Regale voller Rollenspielbücher hat.

Der Visualisierungsfaktor ist mit Sicherheit schon mal ein Kaufargument. Und ein paar Erinnerungsstützen für Charakterfertigkeiten sind immer hilfreich. Und leetztlich soll es ja auch einfach sein... sind genug Erwachsene mit komplexen Regelsystemen überfordert, da muss ich einem 8 1/2-jährigen nicht mit einem Wust von Regeln erschlagen.

Danke nochmals für den Eindruck!

Noch ein kleiner,

Noch ein kleiner, klitzekleiner tipp, den ich Dir lieber per Mail geschickt hätte.
Vielleicht veröffentlichst das Kommentar nicht sondern liest und löscht einfach, damit nicht der Eindruck der Schleichwerbung entsteht.
Am "günstigsten" hab ich das Spiel bisher bei www.my-fantasy-shop.de gefunden.

DSA 1

Tipp: Ein einsteigerfreundlicheres System als die Originalausgabe von DSA wirst Du (in deutsch) kaum finden. Hat alles, was ein Rollenspiel braucht, und mit gereimten Zauberformeln und einer sehr märchenhaften "Welt" noch sehr viel kindliches.
 

DSA

Hey, danke! DSA hab ich damals bei meinem Bruder angesehen und später auch testweise gespielt - aber mich konnten weder die Regeln noch die Welt jemals wirklich begeistern. Und dann ist es schwierig, bei meinem Kleinen Spaß und Interesse zu wecken...

D&D 4E eignet sich

D&D 4E eignet sich hervorragend (wird von Freunden bereits zu Nachhilfezwecken beim Lesen verwendet, zweite Schuljahr oder so), hat schöne Kräfte und Brettspielmodus. Auch leicht zu verstehen.
Man kann den ganzen Kram einfach aufs Spielzimmer umwandeln und anstatt Tod und Vernichtung werden die Sachen nur ohnmächtig und müssen ins Regal zurück etc. Das habe ich zu AD&D-Zeiten so für meine jüngeren Geschwister geleitet.

D&D 4E

Mh, da wäre das Problem, dass für seinen Vater D&D 4e die erste Version dieses Klassikers ist, die er sich nicht mehr zugelegt hat. Mein stiller Protest, sozusagen.
Wie genau hast du das mit dem Spielzimmer gemacht? Eine Form von Plüsch, Power und Plunder oder wie kann ich mir das vorstellen? Und mit "richtigen" AD&D Regeln oder hast du diese ordentlich zurück gestutzt?

DSA

DSA Junior

Jetzt wo ich es sehe, erinner ich mich wieder. Damals viel belacht... tja, und nun ist man auf einmal Zielpublikum. Danke für den Hinweis. Und ein Einstiegsalter von 8... interessante Info!

Meine Tochter ist mittlerweile 13...

... und interessiert sich für Pferde.
 
So mit 9 und 10 Jahren hat sie aber begeistert mit mir Rollenspiele gespielt - und zwar in Form von dem Brettspiel "Dungeon!" und ein paar Abenteuer D&D (rote Box). Mit der konnte sie sich sogar die Regeln selbst beibringen. Ich habe aber schon öfter gesagt, dass die rote Box DER Eintieg ins Rollenspiel schlechthin ist, da sie ja nur dazu designt wurde, um etwa 10 jährige ins Rollenspiel einzuführen - möglichst ohne elterliche Hilfe.

D&D (rote Box)

Ja, diese Box liegt parat... sie war auch mein Einstieg ins Thema Rollenspiel vor ziemlich langer Zeit. Ich denke auch, dass das Ur-D&D sich wirklich gut für neue junge Spieler eignet.
Danke für den Altershinweis zu deiner Tochter. 9-10 scheint mir auch ein eher unproblematischeres Alter zum Einstieg zu sein...

Tod und Gewalt

Wenn du einerseits Bedenken hast, richtiges Rollenspiel mit deinem Kind zu spielen weil ein großer Bestandteil Tod und Kämpfe sind, ihm aber dann ein Spiel vorsetzt, in dem man Monster besiegen muss, bist du doch eigentlich genau da, wo du nicht so gerne hin wolltest, oder?
Ich persönlich habe da eigentlich weniger Bedenken, weil ja fast jedes Spiel irgendwie Tod und Kampf symbolisiert.
Probier es doch mal wirklich mit einem Rollenspiel. Beispielsweise DSA1, bzw. bau dir doch selbst eins, das nur aus 4 Attributen, einem Attacke und einem Paradewert besteht und versuch es mal mit einem Abenteuer der Komplexität von einer TKKG oder Fünf Freunde Geschichte.
Die Bösewichte müssen ja auch nicht getötet werden, sondern können dann flüchten.
Schau dir mal diese Seite an, die finde ich auch sehr interessant:
http://in-der-sonderschule.de/heldeninderschule/

Tod und Kampf

Nun ja, ich halte es für einen Unterschied, ob mein Sohn eine Monster "Karte" vor Augen hat und das Spiel nur eine Art von Besiegen zulässt, oder ob der Kampf in seinem Kopf, seiner Fantasy stattfindet und durch mich geschildert wird. Deshalb der Gedanke, zuerst auf Brettspiele auszuweichen.
Danke für den Link... das muß ich mir mal in Ruhe durchlesen. Scheint aber durchaus interessant zu sein!

Brettspiel

Hi,
schön, wie du den Kleinen heranführst!
Kennst du das alte Brettspiel "Hero Quest"? Das ist wirklich  wunderbar geeignet! Wie ein 'richtiges' Rollenspiel hat man einen Helden, der über die vielen Abenteuer (je ungefähr eine Stunde Spielzeit) auch ein wenig stärker wird. Dem Spiel liegt eine ganze Kampagne bei! Die Regeln sind einfach und spaßig, und auf www.hq-cooperation.de gibt es noch viele Erweiterungen. Die Miniaturen sind von Games Workshop, das Spiel ist auch im Warhammer-Universum angesiedelt. Optisch macht es schon einiges her! Auf ebay bekommt man die Grundbox recht billig :)
Viel Spaß,
Khouni

Heroquest

Danke für den Hinweis. Grade die 1 Std. Spielzeit klingt da natürlich interessant. Ich schau mal, on ich es zu einem vernünftigen Preis via Ebay ersteigern kann!

Spielen mit Kindern

Hier hat Phil a.k.a. ChattyDM seine Erfahrungen beim Spielen mit Kindern aufgeschrieben (auf Englisch).

Übrigens ein ganz anderer Ansatz!

ChattyDM

Hey, vielen Dank dafür! Grade beim aktuellsten Beitrag scheint es mir, dass Phil sich so ziemlich mit den gleichen Problemen / Gedanken rumschlägt. Aber die etwas älteren Blog Einträge sind interessantes Material bzgl. eines "How to..". Schön...

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