Railroading - Spielbewahrer statt Spielzerstörer

Zu meinen bisherigen Einträgen zum Thema Abenteuer-Design kam Kritik auf, als ich eine Art "freundliches Railroading" grade für Anfänger in Sachen Spielleitung empfahl. Kein Wort weckt, auch und vor allem in der deutschen Rollenspielgemeinde, eine negativere Reaktion hervor, als dieses. Okay, evtl. noch Dungeon Crawl, aber das ist eine andere Geschichte... Gutes Railroading kann aber nicht nur helfen, sondern dürfte für die meisten Gruppen sogar Grundvoraussetzung für einen gelungenen Abend sein.

Bevor jetzt die Leser dieses Eintrags kopfschüttelnd das "x" oben rechts im Browser drücken: hier der m. E. gut und ausführlich geschriebene Blog Eintrag von von Danny auf Critical-Hits.com zum Thema. 

Alles weitere was ich an dieser Stelle schreiben könnte, wäre nur laue Wiederholung und ich möchte wirklich empfehlen, den Originaltext zu lesen.

Ich selber hab in meinen Rollenspieljahren nur eine Gruppe kennengelernt, die richtig Spaß an absolut freiem Spiel empfand und muss noch heute mit Schrecken daran zurück denken. Kopflastig, übertriebene Ernsthaftigkeit und Egomanie sind nur 3 der Begriffe, die ich mit diesen Spielern verbinde. Das soll keine Verallgemeinerung sein, aber nach meinen Erfahrungen benötigen "normale" Spieler so manches mal deutliche Hinweise oder einfach einen Schubbs, um voran zu kommen. Arbeits-, Schul- oder Beziehungsstreß sorgen nunmal dafür, dass man selten zu 100% frisch und geistig anwesend ist und wer tagsüber im Büro stundenlang Lösungsstrategien finden muss, möchte Abends auch mal "einfach nur spielen..."

Kommentare

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Dieses "positive railroading"...

...hieß bei uns immer normale Spielleiter-entscheidung.
Warum das unbedingt "railroading" genannt werden muss, ist mir nicht ganz klar.

Spielleiter Entscheidungen

Spielleiter Entscheidungen sind schon was anderes als Railroading.

Ersteres setzt voraus, dass ich als Spielleiter zwischen verschiedenen Möglichkeiten / Aktionen entscheide, letzteres dass ich die Entscheidungen der Spieler mehr oder weniger stark in meine Wunschrichtung beeinflusse.

Ich würde sagen, dass

Ich würde sagen, dass Railroading ein Unterteil von SL-Entscheidungen ist. Und zwar genau der Teil, der von den Spielern als ungerechtfertiger Eingriff in ihr Spiel empfunden wird, sich aber als "Ausspielen der Welt" zu tarnen versucht.
Das "positive Railroading" von dem hier die Rede ist, scheint sich mir deshalb nicht so richtig als Railroading zu qualifizieren.
Oder anders gesagt... wenn die Spieler die Welt (und damit den SL) mehr oder weniger stark in ihre Wunschrichtung beeinflussen dürfen, warum heißt es "railroading" wenn der SL das auch tut? Erwarten wir denn, dass der SL seine eigenen Interessen nicht verfolgt? Dass er völlig leidenschaftslos, wie ein Roboter nur stur das Weltsimulationsprogramm durchläuft und Regeln aufsagt, wenn sie verlangt werden?
Ich finde, der SL hat wie jeder am Tisch das Recht ein Interesse daran zu haben das Spiel in diese oder jene Richtung zu beeinflussen. Der SL hat halt nur die Pflicht darauf zu achten, das Spiel dadurch nicht zu dominieren oder die Spielweltlogik und das Regelwerk zu beugen, um sich über die Wünsche der Spieler hinwegzusetzen. Denn genau das... wäre für mich Railroading.

Danke

Schick, da schieße ich mich direkt an. Hätte nicht gedacht, dass wir so nah beieinander liegen.

Danke!

Danke für diesen Post. Das Railroading-Mem aus den Köpfen einiger Spieler zu bekommen, ist katastrophal schwierig. Wir haben alle schon unter egomanischen SLs gelitten, aber das heißt nicht, dass ein wenig Anleitung eine schlechte Sache.
Ich habe gerade einen langen Artikel über Railroading an die Mephisto geschickt, mal gucken, ob er gedruckt wird.

Railroading

Wo kann ich unterschreiben ? ;-)
Ich habe jetzt den Eintrag auf Critical-Hits.com nicht gelesen, kann aber Deinen Ausführungen hier hundertprozentig zustimmen! Ich für meinen Teil (damit meine ich meine bevorzugte Spielweise) halte richtig dosiertes Railroading sogar für einen fundamentalen Bestandteil des Spiels. Ich möchte beim Spielen etwas "erleben", etwas "bewegen" und spürbare Fortschritte machen können. Dazu benötige ich einfach den SL als Regisseur, der an entsprechenden Stellen schneidet, Informationen verteilt und Hilfestellung gibt. Der Kniff liegt m.E. darin, das es nicht in Bevormundung durch den SL ausarten darf! Deshalb hat Railroading auch so einen schlechten Ruf: viele Rollenspieler glauben, durch Railroading automatisch bevormundet, und zu Spielsteinen des SL zu werden. Das ist aber nur ein negativer Auswuchs - Railroading ist mehr, und bringt - für die jeweilige Gruppe richtig dosiert - meiner Erfahrung nach ein Mehr an Spielspaß!

P.S.

Dein Artikeltitel ist ein gutes Beispiel für die positive Erwähnung des Wortes "Railroad". Im verlinkten Artikel heißt es, dass man keine Spieleraktionen verhindern soll. Demnach ist das auch Deine Meinung. Wenn ich aber nur den Titel lese (was sicher viele bei rsp-blogs machen werden) oder auch nur die gekürzte Version des Artikels in der Artikelübersicht Deines Blogs oder im RSS-Feed von rsp-blogs denke ich, dass Railroading etwas gutes ist. Egal in welcher Ausprägung. Sowas ist vielleicht keine Absicht, passiert aber immer wieder. Neulinge mögen dann denken, das Railroad gut ist und hinterher wundern sie sich, wieso es denn so gar keinen Spaß gemacht hat, weil sie Railroad-Klassiker Kiesow erwischt haben.

Danke für die Ausführlichkeit!

Freut mich, dass der Titel geschickt gewählt ist! ;)

Ich habe einige Diskussionen über das Thema in den letzten Jahren verfolgt  (auf Tanelorn, Rollenspiel-Welten u.a.), und nicht wenige Gamer wären anderer Meinung als du. Spieler durch deutliche Hinweise in eine Richtung drängen oder ihre Entscheidungen hierdurch zu beeinflussen, fällt für viele eindeutig in den Bereich des Railroading.

Ich möchte aber gar keine Diskussion über den Begriff - da er im Duden nicht vorkommt, besteht schon eine gewisse  Definitionsfreiheit. Wichtig für mich ist die Feststellung, dass es sehr wohl im Interesse der Spieler liegt / liegen kann, wenn der Spielleiter Entscheidungen im Abenteuer beeinflusst. Für mich gibt es unterschiedliche Ausprägung des Railroadings und ich unterstütze eindeutig den Einsatz eines (wie du es nennst) weichen Railroadings.

Das Verbot bestimmter Entscheidungen rate ich niemandem - auch keinem Neuling. Etwas prägenderes Railroading aber eindeutig. Das Ändern / Anpassen von Würfelnwürfen übrigens ebenfalls... das ist ein ganz anderes Thema. 

Immer noch nix da

Der Titel ist nicht geschickt gewählt. Das war nicht meine Aussage. Er ist scheiße gewählt, weil er all denen Vorschub gibt, die Spieler verarschen toll finden.
Du - und uach die anderen Kommentatoren des Artikels - scheinen das Schummeln und das bevormunden der Spieler wirklich als ein völlig nichtiges Problem zu sehen, auch wenn immer wieder gesagt wird, das solle man nicht tun. Mit der Wortwahl, die hier vorherrscht leistet Ihr doch genau denjenigen Vorschub, die sowas wirklich toll finden. Es wird - wie in einem anderen Kommentar schon geschrieben - noch viel zu oft gemacht, die Spieler "leiden" darunter. Aber trotzdem unternimmt keiner hier den Versuch sich von solchen "Meistern" abzugrenzen, um diese Art von Spiel aussterben zu lassen. Im Gegenteil, Ihr heißt sie durch Eure Wortwahl unter Eurem Deckmantel willkommen.
Das Würfeldrehen ist kein anderes Thema, denn es ist eine der Lieblingsmethoden der Railroader um die Spieler in die Richtung zu kriegen, in die man sie haben will. Darum gehört es genau hier her. Und dass Du Würfeldrehen gut heißt, kann auch ein Hinweis sein, warum hier Schummelmeistern ein Deckmantel geboten wird... ;)

Können "alle anderen" falsch liegen...?

Hinter dem Satz war ein "Augenzwinkern"... landläufig ein Zeichen für Ironie.

Ich kann nur wiederholen: persönlich hab ich in gut 2 Jahrzehnten weit mehr Abende erlebt, wo die Spieler sinn- und ideenlos herumirrten, als solche, in denen die Gruppe an der Nase durchs Abenteuer gezogen wurden. Davon abgesehen ist mir ein "Ihr sitzt in der Kneipe, kennt euch... und werdet angesprochen von..." auch manches mal deutlich lieber, als durch eine 6 stündige Zusammenführungssequenz laufen zu müssen und auf die Mithilfe aller beteiligter Spieler zu hoffen. Bockt nur einer, werdens dann leicht auch mehr als "nur" ein Abend.

Würfelwürfe ggf. auch mal umzudeuten / links liegen zu lassen (zu schummeln, wie du es nennst) ist Garant für eine Kampagne, die allen Beteiligten Spaß macht. Es bedarf schon Geschick des Spielleiters - Charakter Tod und böser Zufall gehört nun mal auch zu einem Abenteuer und sollte nicht krampfhaft verhindert werden  - aber darauf ganz zu verzichten halte ich für einen Fehler.

Dem ersten Teil kann ich mich

Dem ersten Teil kann ich mich anschließen, kein Problem. Auch wenn die Interpretation von ";)" manchmal so eine Sache ist... ;)
 
Würfeldrehen, wenn ich eine Spieleraktion  damit scheitern lasse, also die Schwierigkeit oder den Gegnerwurf hoch setze bedeutet ich entwerte die Mühen des Spielers diese Fähigkeit gut zu lernen. Wenn ich ihn eine Aktion schaffe lasse oder einen Gegner scheitern lasse mache ich es dem Spieler leichter und manche mögen das vermutlich. Nur frage ich mich ,warum sie sich dann auf Regeln einlassen. Wenn sie sich darauf verlassen vom SL gerettet zu werden, welche Befriedigung gibt es dann, wenn sie etwas schaffen? Sie wissen ja nicht, ob das nicht ein Würfeldreher war und sie nicht eigentlich zu schlecht waren. Ich frage mich, wo das Spaß noch her zu holen ist. Beim Mensch-ärgere-Dich-nicht würde es auch keiner wagen einfach eine 4 statt einer 5 zu setzen, wenn es bedeutet den weit alleine vorne liegenden Spieler hinaus zu werfen, damit der Rest aufholen kann.
 
Aber insgesamt freue ich mich, dass die Diskussion gezeigt hat, dass wir immerhin nicht so arg weiter auseinander liegen. Eben nur beim Würfeldrehen.

Würfeldrehen

Einen Würfelwurf zu verfälschen, um einen Spieler scheitern zu lassen - ich kann mir nur sehr wenig Situationen vorstellen, wo dies sinnvoll sein könnte. Und auch dann würde ich es wohl nicht machen... Umgekehrt aber, um IM EINZELFALL einen komplett unnötigen / ggf frustrierenden Charaktertod zu verhindern - das kann m. E. sehr wohl sinnvoll sein. Nicht als gern genutzter Rettungsanker für die Spieler, sondern als Kampagnenretter für den Spielleiter.

Aber yup, soooo weit liegen wir generell nicht auseinander. :)

"Wer Würfelwürfe fälscht oder

"Wer Würfelwürfe fälscht oder gefälschte Würfelwürfe in Umlauf bringt, wird mit Rollenspielentzug von bis zu 3 Jahren bestraft."
 
Charaktertod ist zum einen eigentlich immer frustrierend und zum anderen wissen die Spieler ja vorher, was da auf sie zukommt. Ich sehe da keinen Bedarf. Wenn man als SL mal einen Fehler gemacht hat und die Gegner z.B. zu stark sind, dann können sich die SC zum einen zurück ziehen (ist mir bei d20 modern so passiert) oder man kann sich überlegen, dass im Rahmen der Welt König Zufall vielleicht ne Grenzpatroullie vorbei schickt oder sowas. Aber Würfeldrehen ist nix gut.

Nix da

Kannste vergessen. Ich lasse mich nicht von Dir dazu "railroaden", das "X" zu drücken ;)
 
Es ist sicherlich so, dass es verschiedene Interpretationen von Railroading gibt. Darum habe ich mir (gerade beim lesen des verlinkten Artikels) ein scharfe Definitionstrennung ausgedacht. Der verlinkte Artikel redet von Railraoding, beschreibt es aber als das Vorspulen vermeintlich langweiliger Szenen und als das einbauen mehr oder minder deutlicher Hinweise für die Spieler, wo es weitergeht. Dabei geht er übrigens in der Argumentation nicht unbedingt nachvollziehbar vor und es ist alles etwas wirr. Aber zurück zur Grenze: Ich ziehe die Grenze an folgender Stelle: Sobald der "Meister" die Spieler zwingt, etwas zu tun und Regeln ignoriert ist es Railroad. Das heißt: Gedrehte Würfel, spontan veränderte Plots um eine Entscheidung der Spieler zu verhindern oder deren Verfolgung explizit unmöglich zu machen ist Railroad. Alles bei dem etwas getan wird, das anders in den Regeln steht ist Railroad. Immer wenn der "Meister" beschließt den vorher erdachten Plot zu ändern, nur um die Spieler von etwas abzuhalten, ist es Railroad. Ansonsten nicht.
 
Warum die Grenze gerade hier: Zum einen schlägt der verlinkte Artikel in seiner Begründung warum sein "weich gekochtes Railraod" so toll ist, in dieselbe Kerbe. Das sollte für alle, die obige Meinung teilen eigentlich schon reichen ;) Aber der eigentliche Grund für die Trennung ist der Folgende: Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass irgendjemandem Railroad der obigen Art Spaß macht. Ich erinnere nur an das beliebteste Kiesow-Beispiel, indem die Spieler per Meister-Vorlesetext dazu gezwungen werden, ihre Rüstungen in einem Sumpf weg zuwerfen, obwohl sie wissen, dass dort fiese Monster lauern und danach ein schwerer Kampf kommt. Gibt es irgendjemanden, der so etwas spielen möchte? Und falls wirklich, würde ihm das Spaß machen? Außer er ist der "Meister" und Masochist, muss die Antwort doch "Nein" lauten.
 
Hinter dieser Grenze steckt auch der Grund warum ich diese Aussagen wie "Railroad kann auch Spaß machen" und "Railroad ist gar nicht so schlimm" nicht (mehr) hören oder lesen mag. Denn sobald man dass sagt, stärkt man die Fraktion der Schummel-Meister, die wie eben beschreiben leiten. Denn die verstehen unter Railroad eben genau das und nicht die "weich gekochte" Variante, die Du, Cyric, und der Autor des verlinkten Artikels wohl meinen. Ich möchte eine explizite Ab- oder sogar Ausgrenzung des Schummelspiels. Und darum lese ich genau mit, wenn jemand sagt, dass Railroad gut wäre.
 
Wenn man als SL einigermaßen deutliche Hinweise platziert, wo es weiter geht oder ähnliches, ist das für mich kein Railroad, denn keinem Spieler wird auch nur ein Teil seiner freien Entscheidung abgenommen. Das ist für mich der wichtige Punkt. Leitet die Spieler zu bestimmten Punkten, aber nehmt ihnen niemals die freie Entscheidung weg. Wenn sie nett sind, was sie meist sind, tun sie, was auf dem Silbertablett serviert wird. Wenn aber Spieler A eine krude Religion hat und keine Fähren benutzen darf, soll er. Der Umweg wird lang, aber kein SL darf es abschmettern. Denn damit verhöhnt man alle Gedanken, die der Spieler in diese Eigenschaft seines Charakters gesteckt hat. Und das ist der Untergang des Abendlandes *g*

Sanftes Railroading

Bravo Hauke,

du sprichst mir aus der Seele !

Gruß aus Lübeck

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