Die erste Sitzung ging für die Charaktererschaffung drauf und trotz (wie ich annahm) guter Vorbereitung meinerseits haben wir den kompletten Abend damit verbracht, vier zukünftige Helden auszuarbeiten. Klar, mit nur einem Grundregelwerk und einem Charakterhandbuch müssen mindestens 2 der Spieler meist warten, bevor es weiter geht. Und die fehlende Gesamtübersicht zu Fertigkeiten oder Talenten macht die ganze Erschaffung nicht einfacher. Trotzdem war es irgendwie frustrierend, am Ende des Abends die Charaktere gerade einmal zu knapp 2/3 vollendet zu haben.
Die Zeit zwischen dieser ersten Sitzung und der gestrigen haben wir dann versucht, über Forum und email die Charaktere zu vollenden. Trotzdem blieben auch gestern noch Restarbeiten über und wenn ich an die Gesichter meiner Spieler denke bin ich mir recht sicher, dass keiner von ihnen das Gefühl hatte, wirklich rundum fertig geworden zu sein.
Letztlich haben wir nach einer weiteren Stunde dann trotzdem mit dem Abenteuer beginnen können. Im Verlauf des Restabends kam es lediglich zu einigen Fertigkeitswürfen und erst durch das errechnen der Fertigkeitswerte für die Tests fügten sich die Regeln in ein logisches Gesamtbild. Schon beim Lesen hatte ich stets den Eindruck, die Regeln seien nicht nur äußerste durchdacht sondern auch gut anwendbar - wenn man sie denn erst einmal zu 100% verstanden hat. Die ersten Tests haben mich darin bestätigt und ich freue mich auf den ersten Kampf, mit dem der nächste Spielabend wohl gleich beginnen wird. Auch da graust mir als Spielleiter ein wenig vor den Massen an Regeln, aber auch diese wirken beim wiederholten Lesen außerordentlich sinnvoll spielbar.
Nach nun 2 Abenden muss ich sagen, dass Rolemaster für mich das wohl einsteigerunfreundlichste Rollenspiel darstellt, dass mir bis dato begegnet ist. Die Erläuterungen des Grundregelwerks mögen für einen Spieler, der das System innerhalb einer bestehenden Gruppe erlernt hat, vollkommen ausreichend sein, für einen absoluten Neuspieler stellt es aber eine hohe Hürde da. Dabei macht gerade das Charakterhandbuch deutlich, welch ein Potential wohl in diesem System liegt und weshalb es sich lohnen kann, auch die nächsten Rollenspielabende damit zu verbringen, tiefer in Rolemaster einzusteigen. Vergnügen mischt sich hierbei aber sehr mit Frustration und dem Gefühl, am Fuße eines verdammt hohen Berges zu stehen ohne dem Wissen, ob der Gipfel wirklich das hält, was er zu versprechen vorgibt.
Kommentare
Rolemaster ist bisweilen
Rolemaster ist bisweilen schwer für den Einsteiger, stimmt schon. Wenn man frisch einsteigt empfieht es sich allerdings, sich erstmal NUR auf das GRW zu beschränken, und zusätze wie das Charakterhandbuch erstmal außen vor zu lassen. Man sollte es vor allem als Spieleleiter mehrmals gelesen haben und sich verinnerlichen das dieses System klar in seiner Struktur unterscheidet zwischen den REGELN und den ANWENDUNGEN/DETAILS. Außerdem hilft es wenn die Spieler ALLE sich zumindest die Zusammenfassung der grundlagen durchgelesen haben, die es auf der Website der Sonnenfeste bzw. ICE zum runterladen gibt.
Aber ja, für einsteiger ohne jemanden, der sie bei der Hand nimmt ist das spiel erstmal scheiße schwer, und ein definitiver Paradigmenwechsel ;)
Da ist was schon was dran...
Ich war ja zumindest so schlau, Kampf- und Zauberhandbuch erstmal im Regal zu lassen, aber das Charakterhandbuch ist einfach umwerfend. Rückblickend war es vermutlich ein Fehler - das Problem ist wohl, dass grade dieser Erweiterungsband mich erst dazu verführt hat, Rolemaster eine Chance zu geben.
Spieler zu finden, die sich freiwillig in längere Auslassungen zu Regeln hineinlesen... mh, damit habe ich in den letzten 10 Jahren nicht grade viel Glück gehabt. Aber ich hoffe, sie nach und nach für dieses System gewinnen zu können. Auch wenn dazu gehört, das GRW noch 2, 3 mal durchzuarbeiten, um nächsten Dienstag wieder ein Stück flüssiger spielen zu können...
*Grins* Tief durchatmen :)
*Grins* Tief durchatmen :) Das PDF mit der einführung für spieler ist glaube ich gerade mal 5-10 seiten wenn ich mich recht erinnere, und erklärt einfach die Grundlagen. Das System AN SICH ist recht einfach, es sind nur die Details - an die sich das system zugegebenermaßen gerne aufhängt - die das ganze so schwer machen. Wie mein ehemaliger SL mal gesagt hat: "Das geheimnis bei Rolemaster ist zu wissen, was man weglassen darf", sprich, man muß sich genau überlegen, welche optionen man benutzen will.