In den letzten Wochen lese ich mich wieder mehr durch Rollenspiel Blogs und bin ein wenig verwundert über die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.
Für mich ist rpgbloggers.com zentrale Anlaufstelle - also wohl das amerikanische Original zu rsp-blogs.de. Wenn ich aber die Inhalte der Postings vergleiche, so bieten die US Einträge meist weit mehr - egal ob von Semi-Profis geschrieben oder von reinen Hobbyisten.
Viele deutsche Blogs scheinen lediglich darum zu wetteifern, wer als erstes eine News aus der RPG Szene (meist Ankündigungen geplanter Neuerscheinungen) veröffentlicht. Dementsprechend häufen sich ähnliche Postings bei DSA oder Savage Worlds News unter rsp-blogs.de. In den US Einträgen geht es deutlich öfter um Inhalte - Regelergänzungen, Hausregeln, Erfahrungsberichte mit neuen Systemen und retrospektivische Betrachtungen des Rollenspiel Hobbies an sich.
Natürlich ist die US Szene größer und der Fokus für meinen Geschmack zu sehr auf D&D 4th Ed und Pathfinder fixiert. Aber es bleibt bei der Feststellung, dass sich für mein Gefühl viele US-Blogger mehr darum sorgen, Inhalte zu präsentieren, als leditlich News Verbreiter zu sein. Ein wenig wirkt die deutsche Blogging Szene im Vergleich dazu wie ein wortgewaltigeres Twitter - was ich persönlich sehr schade finde. Sind wir hier einfach noch ein paar Jahre in der Entwicklung hinterher oder ist dies ein echter kultureller Unterschied?
Kommentare
Format
Ich fürchte wirklich, dass es etwas mit dem Format eines Blogs zu tun hat. Wenn man sich das mal ansieht, dann sind Blogtexte (zu Recht) kurz. Da ist es schwer, sinnvolles vollständig rein zu packen. Tolle Leistungen wie das Dungeon-Bau Tutorial auf Selemer Tagebücher sind da ein krasse Ausnahme. Dieses Tutorial ist aber andererseits wiederum so lang, dass man es fast als Buch verkaufen könnte.
Ich glaube, dass uns in D die Vorstellung fehlt, dass ein unperfekter, angedachter Kurztext wertvoll sein kann. In einen Kurztext (die der OP ihn schrieb) lohnt es sich nach unserer Vorstellung nicht, Arbeit zu investieren, für lange Texte fehlt die Zeit und der Mut.
Verschlimmert wird das alles durch zwei Faktoren
a) wenig Beachtung mangels fehlender Kommentarkultur
b) Fixierung auf offizielles Material
Damit meine ich, dass man für kostenlos eingestellte Inhalte kaum Feedback erhält. Feedback kann man am besten im Stile von Georgios oder Settembrini mit kontroversen Thesen erzeugen. Wer also sehen will, dass seine Leistung wahrgenommen wird, wird vom produzieren von Nutzmaterial abgehalten.
Zudem ist es nach meiner Beobachtung so, dass in D eine Grundstimmung gegen "nichtoffizielles" besteht. So kann man zwar die absurdesten Dinge aus einem offiziellen Werk am SL vorbeibekommen, muss sich aber regelmäßig darauf einstellen, dass nichtoffizielles Material (egal ob Fanmaterial oder von einer Fremdfirma) abgelehnt wird.
Das gilt zumindest bei DSA und D&D.
Damit sind wir letztlich bei SL-Material als verbleibenden Thema - schwierig. Wer gerne und oft leitet, hat selten das Bedürfnis auch zu schreiben. Meine Blogs jedenfalls sind produktiver, wenn ich nicht leite.
Erstmal danke für dein langes
Erstmal danke für dein langes Posting!
Das mit der "mangelnden Kommentarkultur" sehe ich ähnlich. Und dies geht m. E. weiter hin zur mangelnden Streitkultur in deutschen Foren und Blogs. Diskussionen führen nahezu immer zu verhärteten Fronten und nur in Ausnahmefällen zu gegenseitiger Befruchtung durch Argumente. Auch in dieser Hinsicht machen vor allem US Blogs einen deutlich besseren Eindruck auf mich.
Deine Erfahrungen bzgl. Regelerweiterungen kann ich ebenfalls nur teilen. Immer wieder überraschend, dass ausgerechnet Spieler, die sich für besonders innovativ und intelligent halten, eine fast manische Besessenheit bzgl. der Huldigung offiziellen Spielmaterials an den Tag legen und Fanmaterial als Götzenwerk ansehen. Einzige Ausnahme sind hier meist eigene Verschlimmbesserungen... natürlich. ;)
Besonders enttäuschend empfinde ich, dass es deutschen Rollenspielverlagen und ihren Autoren scheinbar völlig abwegig erscheint, Blogs ohne Werbedauerfeuer oder Selbstbeweihräucherung zu führen. Auch da sind uns die Amerikaner um Jahre vorraus...
Jepp
Da hast Du Recht. Gerade die unzählig oft wiederholten DSA-News gehen mir auf den Zeiger. Aber ob die Szene hier zu Lande kreativer ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Die größte Teil der deutschen Spieler (und damit die Basis aller Blogger) spielt DSA. Und ich habe das dringende Gefühl, als wenn die kritische Auseinandersetzung mit System, Welt und Abenteuern bei DSA nicht unbedingt weit verbreitet ist. Mag täuschen, aber ich glaub's halt. Zudem ist der amerikanische/englischsprachige RPG-Markt größer und dementsprechend findet man sicher auch mehr qualitativ hochwertige Blogs. Es ist halt auch eine ziemliche Investition in Sachen Zeit einen guten Blog am Laufen zu halten und diese Zeit haben nicht alle.
zustimmung
Mir sind die vielen News Spams vor einiger Zeit negativ aufgefallen. Da verschwinden oft interessante Beiträge innerhalb von 1Tag auf Seite 4-5 und damit aus der Wahrnehmung. Obwohl diverser Blogs dieselbe Nachricht schon veröffentlicht haben. Es scheint manchmal nur darum zu gehen möglichst viel zu posten damit man einen vollen Kalender hat und immer wahrgenommen wird.
Wer macht es denn deiner
Wer macht es denn deiner meinung nach richtig?
Das hat weniger mit richtig
Das hat weniger mit richtig oder falsch zu tun - letztlich ist es Sache des Bloggers, welche Dinge er postet / posten möchte.
Persönlich aber interessieren mich Blogs mit Inhalt deutlich mehr als Blogs die sich mehr oder weniger nur durch News zu ihren Lieblingssystemen füllen. Klar wirkt die Zahl der Einträge dann beeindruckender als bei inhaltlichen Blogs und auch die Anzahl an Hits mag höher sein - aber ist das der Sinn der Blogossphäre? Sind Rollenspiel Blogs wirklich ein Wettbewerb?
Meiner Meinung nach machen es die US-Amerikaner vor und das, wo grade die deutschen Rollenspieler doch über diese "Spezies" so gerne die Nase rümpft...
Du hast völlig recht. Darüber
Du hast völlig recht. Darüber hatte ich Anfang des Jahres schon mal geblogt (http://scorpiodorp.wordpress.com/2009/01/03/sind-wir-zu-kreativ/). Ich finde auch, dass viel zu wenig Spielhilfen von der ach so kreativen deutschen Spielerschaft ins Netz gestellt werden.
Interessant vor allem die
Interessant vor allem die Kommentare, die du für dein Posting geerntet hast. Mh... ich finds auch seltsam, dass ausgerechnet im ach so kreativen deutschem Rollenspiel Netzwerk so wenig "verwertbares" herauskommt. Und auch mein Blog ist da keine Ausnahme (bisher), dass ist mir durchaus bewußt. Verwertbar hat dabei im übrigens nichts mit "stat blocks" o. ä. zu tun.
Das ist nicht nur bei RSP-Blogs so
Dieser Unterschied zieht sich gernerell durch die Blogosphäre in Amerika und Deutschland. Wenn du dir einmal Angebote wie die Huffington Post oder das Gawker-Netzwerk ansiehst, wirst du schnell feststellen, dass uns die Amis im Bezug auf "Neue Medien" um einige Jahre vorraus sind. Ob sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert? Ich hoffe es, allerdings können dazu gerade nicht einmal die Fachleute etwas sagen.
Zum Warum - da gibt es natürlich auch einige Theorien, die würden aber allesamt den Rahmen dieses Kommentars sprengen.
Wobei das natürlich schon
Wobei das natürlich schon erstklassige Angebote aus dem Bereich Blogging sind. Mein Posting bezog sich ja mehr auf die Amateuer und Semi-Amateuer Szene. Gibt es überhaupt professionelle Rollenspiel Blogger in Deutschland? Soweit ich das einschätzen kann, schaffen ja nicht einmal die Verlage substantielle Blogs für ihre Produkte hervorzubringen.
Danke auf jeden Fall für die Links - waren mir beide bisher unbekannt. Und grade die Huffington Post sieht schon mal gut aus...
Verlags-Blogs
Also gerade von Verlags-Blogs würde ich mir nichts anderes als die hier bemängelten reinen Neuheiten-Blogs erwarten. Die dt. Entwicklerszene kriegt doch schon seit Jahren nicht die Zähne auseinander. Das kann man bei den Fans aber auch manchmal verstehen.