In einem vorherigen Blog Eintrag habe ich einige Dinge zu WotC geschrieben, die auf Kritik gestoßen sind. Oder vielmehr wurde nach Quellen gefragt - die in der Kürze der Zeit einfach nicht auffindbar waren.
Auch jetzt habe ich nicht alles gefunden, was ich eigentlich präsentieren wollte und die Links, die ich zur Verfügung stellen kann, können sicherlich mit dem Vorwurf der Subjektivität als fraglich gekenntzeichnet werden - aber für mich ergeben sie Anzeichen eines Gesamtbilds, das nicht grade positiv ist.
Fangen wir mit etwas neuem an: Im September erscheint das D&D Rules Compendium. War so ein Regelwerk nicht eine der letzten Veröffentlichungen für die 3.5th Ed von D&D? Als das System wieder einmal so sehr auseinander gedrifftet war, das Wizards sich gezwungen fühlte, zumindest für die Basisregeln des Systems ein Grundlagenwerk zu veröffentlichen.
Die Info, dass die Verkaufszahlen in der RPG Industrie rückläufig waren - anders als bei der Gesellschaftsspiele Branche insgesamt - stammt von hier: Absatzzahlen in den USA.
Und dann kommen die Eindrücke, eines einzelnen Rollenspielladen Betreibers. Wie gesagt: subjektiv. Keine Frage. Aber wer Lust hat, die beiden entpsrechenden Blog Einträge zu lesen wird erkennen, dass der Blogger selbst kein Katastrophenbeschwörer ist, sondern all seine Eindrücke und Meinungen belegt.
- Als erstes ein Eintrag zum RPG Umsatz und D&D 4th Eds Anteil daran. Interessant vor allem der Peak beim Release (natürlich) und das Gefälle seit dem --> BlackDiamondGames Blog 1
- Und hier die Gedanken des Bloggers zum RPG markt und speziell D&D 4th Anteil daran. --> BlackDiamondGames Blog 2
Dazu kommt die Nachricht, dass Paizzo auch den zweiten Druck vom Pathfinder RPG komplett abverkauft hat. Keine Frage, auch diese Fa. wird schlau genug sein, keine riesigen Produktionsläufe zu starten um dann Gefahr zu laufen, auf Büchern sitzen zu bleiben. Aber es ist trotzdem ein Zeichen von Erfolg - und meiner Meinung nach wendet sich Pathfinder nun nicht grade an Neueinsteiger, sondern vielmehr an bestehende D&D Spieler. Viele der neuen Pathfinder Freunde, dürften also einmal 4th Ed. Spieler gewesen sein.
Abschließend noch ein Link zur GAMA Präsentation von WotC selbst. Wizards redet von 1,5 millionen Spielern und 24 millionen, die auf dem Weg hierhin verloren wurden. Das Leben, andere Hobbies, was auch immer - vieles treibt Spieler aus einem System. Aber auch unter diesem Gesichtspunkt, finde ich die genannte Zahl recht deutlich...
Kommentare
Gegen Dein Bauchgefühl lässt
Gegen Dein Bauchgefühl lässt sich schwer argumentieren, aber Deine Quellen und Belege kann ich zumindest einigermaßen einordnen und bewerten. Fangen wir mit deinem ersten Hinweis an - das Rules-Compendium. Mir persönlich sagt das Buch sehr zu, da es für D&D4 in regelmäßigen Abständen "Updates", sprich Aktualisierungen der Regeln gibt, die mit dem Compendium dann auch Besitzer älterer Regelbücher, wie ich einer bin, gedruckt und gebunden in einem Band bekommen können. Außerdem wird das handliche Buch hoffentlich so ein gutes Nachschlagewerk, dass man nur ein sein aktuelles DDI Charakterblatt und dieses Taschenbuch fürs Spiel benötigt.
Deine Quellen belegen tatsächlich ein Problem in der Rollenspielbranche, allerdings weder eines bei WotC, noch eines der gesamten Branche. Wenn ICV2 ihre Datenerhebung nicht grundlegend geändert haben, beziehen sie ihre Informationen aus freiwilligen Meldungen von Spieleläden. Auch die Blogeinträge von BlackDiamondGames schildern nur eine gewisse Unzufriedenheit eines Spieleladenbesitzers.
In der Tat müssen sich die Freunde sowohl der traditionellen, wie auch der virtuellen Rollenspielläden im Moment Gedanken um ihre Zukunft machen. Zum einen baut die technische Entwicklung die Nachteile neuer Medien gegenüber den traditionellen Spielen immer weiter ab und lässt die neuen Konzepte im Spielebereich außerdem bei technikaffinen Zielgruppen als noch erstrebenswerter erscheinen. Zum anderen erfahren Rollenspielläden immer mehr Konkurrenz, ebenfalls begünstigt durch neue technische Möglichkeiten. Großanbieter wie Amazon, aber auch die Rollenspielverlage selbst, drängen immer stärker auf den Einzelhandelsmarkt für Rollenspiele.
Ladenbesitzer haben, wie gesagt, Grund zur Sorge, das ist aber kein Beleg für Schwierigkeiten bei WotC, noch nicht mal ein Hinweis darauf. Ich gehe davon aus, dass der Umsatz, den WotC mit D&D machen, in der jüngeren Vergangenheit in geringerem Umfang aus dem „Hobby Games“ Groß- und Einzelhandelssegment generiert wird, und dafür die Online-Komponente und der Buch-Massenmarkt (Amazon und große Ketten) einen größeren Anteil haben.
Als Rollenspieler sind ein stark ausgeprägtes Vorstellungsvermögen und leicht anzuregende Fantasie von Vorteil, bei der Analyse von Märkten und Unternehmen sollte man sich von ihnen aber nicht leiten lassen und mal eine Pause machen, wenn man vor seinem inneren Auge Bilder von taumelnden Riesen und in die enge getriebenen Tatzelwürmen sieht. Die gibt es unter größeren Unternehmen kaum, da regiert eher Technokratie und damit verbundene, rigide Abläufe, wozu auch Abmahnungen, Personalfreisetzungen und manches andere gehören, dass wir in der deutschen Rollenspiellandschaft nur selten sehen.
Das Verhältnis von Pathfinder zu D&D4 kann auch ich meine Beurteilung nur aus anekdotischen Hinweisen ableiten. Bei uns ist D&D4 eine der am besten verkauften Rollenspiele, aber auch Pathfinder macht sich dank der deutschen Ausgabe recht gut. Ich sehe aber kaum Kannibalisierungseffekte zwischen den beiden Spielen. Die Pathfinderspieler in meiner Umgebung (4-5 Runden) sind fast ausschließlich alte D&D3 Kämpen, die nun auf die „lebende“ D&D3 Variante umgestiegen sind. Unter den D&D4lern (5-6 Runden) finden sich sehr viele jüngere Spieler, und auch manche ältere, die mit D&D3 wenig anfangen konnten.
Paizo profitiert zwar von der Arbeit, die WotC geleistet hat, aber nicht von der aktuellen, sondern von dem zweistelligen Millionenbetrag, der in Entwicklung und Vermarktung von D&D3 geflossen ist, und dessen Früchte Paizo nun, natürlich in geringerem Umfang, ernten kann.
Danke erneut für deinen
Danke erneut für deinen ausführlichen Kommentar!
Da WotC keine Zahlen zu seiner D&D Abteilung veröfentlicht, bleiben nur Spekulationen. Fakt ist/sind aber:
Dazu kann ich mit Sicherheit sagen, dass sich in Schleswig Holstein D&D 4th quasi gar nicht verkauft - eine Ausnahme stellen einige dänische Kunden dar, für die Flensburg einfach näher ist, als Kopenhagen.
Klar ist vieles ein Bauchgefühl. Aber das bedeutet nicht, dass es mich täuscht. ;) Wenn meine Erwartungen stimmen, werden wir es im Laufe von 2011 spätestens wissen. Wenn nicht, bin ich der erste, der sein Irren eingestehen wird!
Bessere,.weil fundiertere Beobachtung...
Hi,
der Beitrag ist wesentlich angemessener als der letzte zu diesem traurigen Thema oder der aktuelle Paizo-Beitrag bei Rollenspiel-Almanach.
Bei genauerer Betrachtung ergeben sich noch immer Argumentationslücken.
z.B. ICv2 schreibt, dass die RPG-Zahlen in 2009 10% runter gingen...Schreibt aber auch, dass D&D4 noch immer die N#1 ist.
Bei bei zitierten Blackdiamond steht:
... "but I think D&D as dominant RPG is somewhat universal in large samplings. Also, as other stores report, D&D 4 sales are disappointing compared to 3.5. Sales are quite a bit lower, and I know a lot of that has to do with the online tools. Many of our RPGA players, for example, have stopped buying books, instead relying on their DDI subscriptions for new content. If that trend continues, you'll definitely see some re-aligning of retail space in game stores."
Vielleicht waren die Zahlen früher besser, weil 3.5 hipper war und es kein DDI gab. :-)
Wie wertvoll ist DDI wirklich (für Spieler und Hersteller)?
Vollkommene Transparenz wird es wohl nicht so schnell geben.
Paizo beackert den Markt mit einem überarbeiteten (, veralteten) "Fremdprodukt" und D&D4 geht ganz andere Wege.
Vielleicht ist eine Marktdemokratisierung gar nicht so schlecht....
Andere Spiele sind auch schön und zwischendurch gibts etwas D&D4. Für alle ewig Gestrigen gibts ja Paizo. ;-)
Bitte weiterhin fundiertere Beiträge zur Diskussion stellen.
Merci
XXX
Argumentationslücken
Das D&D 4th noch Marktführer auf einem schrumpfenden Markt ist, stellt für mich keine Argumetnationslücke dar. Vielmehr zeigt es, dass es den Wizards scheinbar nicht gelingt, neue Spieler in den Markt zu ziehen - während sie mit ihrer Politik gleichzeitig viele Spieler zurück zu älteren Editionen gedrängt haben.
Sicher ist das oldschool revival auch dem Internet zu verdanken - wer weiss, was aus der 3rd Ed. geworden wäre, hätte es auch damals schon so eine globale Art der Kommunikation gegeben wie heute. Ja, es gab damals schon Internet, aber dies wurde bei weitem nicht in einem Maße genutzt, wie es heute der Fall ist. Auf jeden Fall entzieht es dem Markt Geld, denn viele Spieler nutzen einfach Bücher und Hefte, die sie schon seit Urzeiten besitzen. Das Sterben der RPG Stores ist ein weiteres deutliches Anzeichen dafür...
Politik...
Welche WOTC-Politik drängt die Spieler wohin? Wer muss oder besser kann neue Spieler ins Hobby ziehen und wie attraktiv ist unser Hobby im Vergleich z.B. zu Spielkonsolen, Sprayen oder schicke Mädels in der Disco anmachen?
Ich würde nie einen Neuling auf so ein unsägliches Crunch-Game wie Pathfinder loslassen. D&D4 ist zwar teuer, wenn man mit Püppies spielt, aber es sieht wenigstens cool aus und die Regeln sind halbwegs durchschaubar - zumal als Anfänger.Wenn jemand ein Online-"RPG" spielte, findet er sich sicherlich leichter zurecht. (Ja, auch mit D&D4 kann man ROLLENspiel machen, eben ein wenig mehr Freeform mit sauber durchdachten Kampfregeln :-)
Wahrscheinlich würde ich mit keiner D&D-Inkarnation anfangen wollen. Spieler gewinnen Spieler mit guten Produkten - gegenwärtig...
Produkte sind wohl auch feiste Spielabende mit netten, entspannten zugänglichen Leuten. Rollenspieler sind leider oft vollkommen unentspannt, wenn es um ihre Heilige Kuh geht. (sehr unsexy)
Die Anzahl der Shops hat sich in den letzten Jahren tatsächlich reduziert - leider. Sind die Zahlen momentan nicht relativ stabil?
Woran liegt das auch: Weil das Zeuch im Internet 'kostenlos' oder ein paar Euros weniger gibt. Erst Geiz ist geil und dann jammern, dass es immer weniger Läden als Begegnungsorte gibt. Die Spieler machen primär das Hobby attraktiv und dann erst die schicken Spielsachen. Zumindest in einem Hobby, welches von sich behauptet, dass Phantasie ganz weit vorne steht.
Für Neulinge ist die Hürde viel zu hoch und heute gibt es sehr viele andere schöne Hobbyoptionen. WOW ist heute Rollenspiel :-|. Was für eine arme Erfahrungswelt voller bunter Bilder.
Einfach mal Kids beobachten.... Ne xbox, ne PS3 oder ein Computer sind heute das Objekt der Begierde für viele. Flimmerspiele sind so viel spannender als etwas mit echten Menschen an einem Tisch - leider.
Die Kids in unserem Umfeld sind 14.... Trotzdem ein besserer Beitrag. Wie wärs mal mit einem positiven oder konstruktiven Beitrag über Einstiegsrunden, eine (Rollen-)spielaktion an einer Schule oder Jugendheim ;-)
Love it, change it or leave it.
Ein Diskurs darüber, wie viele "richtigen" Rollenspieler heute Online-Rollenspieler auch sind.
Wäre auch spannend.