WotC's DDI Projekt - Eine persönliche Analyse

Durch einen Kommentar zum DDi in diesem Blog bin ich ins Grübeln gekommen. Dank für diese Anregung (und sein ausführliches Posting) an dieser Stelle noch einmal an TPK.

Ist dieses Konzept wirklich ein Fortschritt gewesen? Und vor allem: war es positiv für WotC?

DDI bietet online Tools zur Abenteuergestaltung und Charaktererschaffung an, dazu noch digitale Ausgaben von Dragon und Dungeon. Klingt erst einmal ganz positiv. Wenn man aber bedenkt, wie das DDI ursprünglich als Online Gaming Table / Room angekündigt wurde und wie wenig seit dem erstmaligen Livegang tatsächlich noch daran erweitert wurde, der muss eingestehen, dass die Realität der Ankündigung weit hinterher hinkt. Aber auch das muss per se ja nicht all zu  negativ ins Gewicht gefallen.

WotC nutzt das Internet, seine Eratas und Regelanpassungen direkt via DDI den zahlenden Abonementen zur Verfügung zu stellen. Online hat man also stets aktuelle Regeln bei der Spielvorbereitung zur Verfügung - nicht schlecht.

Aber, und dieses aber überwiegt meiner Meinung nach deutlich:

WotC hat sich der Werbefläche Dragon / Dungeon beraubt. Ersterer wurde auch abseits von RPG Fachgeschäften verkauft und viel Designkompetenz ist einst darin geflossen, das Cover auch für nicht RPGler so interessant zu gestalten, dass diese zum Kauf animiert wurden. Vor der 3. Edition bot er auch inhaltlich Interessantes für Anhänger von Spielen jenseits der TSR Design Schmiede. Der Dungeon wiederum wurde zu seiner Zeit nicht nur von (A)D&D Spielern gekauft, sondern fand auch jenseits dieser Systeme viele Fans - einfach aufgrund der teilweise wirklich erstklassigen Abenteuer, die zumeist ohne große Probleme adaptierbar waren.
Ich selbst habe den Dragon Ausgabe für Ausgabe verschlungen, obwohl ich während der 3.5 Edition zu Warhammer und Hackmaster übergewechselt bin. All der "Crunch" war überflüssig geworden, aber ich fand immer noch genug interessantes in den Artikeln, um den Kauf zu rechtfertigen. Und verfolgte dadurch auch interessiert die Entwicklung von 4e. Obwohl ich den D&D Zug verlassen hatte, war ich also immer noch potentieller Kunde für eine neue Edition.

Wie PC-Spiele Hersteller ist WotC einem Trieb verfallen: dem dauerhaften Nachbessern der ursprünglichen Regeln ihres System. Dieses online patchen nervt schon bei Computerspielen - bei einem eigentlichen Printprodukt ist es gradezu barbarisch. Bei "Vor-Internet" Regelbüchern mussten sich Erratas auf das Wesentliche beschränken und gut durchdacht sein. Sie einem großen Kreise publik zu machen war nicht einfach und deshalb war es möglichst zu vermeiden, dass solche Dokumente überhaupt von Nöten waren. Bei WotC ist es aber mittlerweile so, dass ein Käufer der Print-Grundregelwerke von D&D 4 ein in vielen Punkten so unterschiedliches System im Vergleich zum DDI Grundregelwerk erwirbt, dass ihn sein DDI Abo ordentlich verwirren dürfte. Und das nach nicht einmal 2 1/2 Jahren.

Charaktererschaffung wurde übrigens schon bei der 3rd Edition von WotC per PC unterstützt - und leider ähnlich schlampig wie zu beginn des DDI. Allerdings kostenlos, ohne Abo, als Dreingabe zum Spielerhandbuch. Andere - ebenfalls meist kostenlose - Tools machten dies damals besser und auch heute kann man das wohlgut und gern behaupten - nicht ohne Grund ist WotC bereits gegen einige rechtlich vorgegangen.

Vor allem aber den Verlust von Dragon und Dungeon halte ich für einen katastrophalen Fehler. Weit über 300 Ausgaben hatte man ein Produktankündigungsmagazin, dass gleichzeitig aktuelle Neu-Produkte mittels Zusatzartikeln gradezu lächerlich günstig beworben hat. Und Leser wie ich, die ein Magazin einfach in Händen halten möchten, die es physisch spüren wollen, die kann man nicht mit einer online vorhandenen Suchfunktion für ein digitales Produkt gewinnen. Ich will Tintenreste an meinen Fingern sehen, wenn ich den neusten Dragon gelesen habe...

Der Versuch, Paizzo als Konkurenten klein zu halten, war meines Erachtens eindeutig zu kurz gedacht. Und das ganze Konzept des DDI auch.

WotC hat sich und dem Hobby einen Bärendienst erwiesen...

Kommentare

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Du unterschätzt die D&D Spielerschaft.

"Bei WotC ist es aber mittlerweile so, dass ein Käufer der Print-Grundregelwerke von D&D 4 ein in vielen Punkten so unterschiedliches System im Vergleich zum DDI Grundregelwerk erwirbt, dass ihn sein DDI Abo ordentlich verwirren dürfte. Und das nach nicht einmal 2 1/2 Jahren."
 
Letztlich habe ich die Berechnung gelesen, dass ca. 3% der Regeln in D&D verändert wurden. Ich schätze das könnte stimmen. In jedem Fall sind die Regeländerungen gut im Überblick zu behalten, wenn man sich die Mühe machen möchte. Wenn nicht reicht es auch schon, sich die kleine Zahl an Exploits anzuschauen, die das Spiel wesentlich beeinträchtigen und die im Zweifel einzuschränken. Den Rest der Updates kann man als gelassener Spieler getrost an sich vorbeiziehen lassen. Ich finde viele der Korrekturen aber sehr brauchbar.
Verwirren werden sie den durchschnittlichen D&D Spieler aber wohl kaum, vor allem dann nicht, wenn er die digitalen Werkzeuge der WotC benutzt. Da gibt/gab es zwar einige gute Ergänzungen zum DDI, aber echte Konkurrenz kann ich nirgendwo ausmachen.
 
Dass alte D&D Spieler den Verlust von Dungeon und Dragon beklagen, kann ich verstehen, aber die Auflagen von Printzeitschriften sinken nun mal weltweit und die D&D Zeitschriften bildeten keine Ausnahme. WotC hat die Hefte ja nicht ohne Grund an einen kleinen Verlag outgesourced. Mit dem Wegfall der OGL für D&D4 hätte für Paizo wohl auch keine stabile Geschäftsgrundlage zur Weiterführung der Magazine bestanden, da zum einen die Masse an D20-Spielen nicht mehr als Plattform vorhanden wäre, zum anderen die Inhalte wesentlich weniger frei gestaltet hätten werden können. Heute finden sich viele gute Artikel aus den digitalen Dungeon und Dragon in diversen Print-Publikationen, das ist für mich ein guter Kompromiss.
 
Die Vorteile einer Online-Plattform liegen klar auf der Hand, Du schreibst schließlich auch in einem Blog und schickst keinen gedruckte Kolumne an die Rollenspielläden Deiner Umgebung.
 

Ich sprach davon, dass

Ich sprach davon, dass Spieler, die heute mit dem D&D 4th Ed Spielerhandbuch einsteigen, im DDI ein Regelsystem vorfinden, dass ihrem gedruckten in nicht unwesentlichen Teilen nicht entspricht. Die Zahl 3% kann druchaus korrekt sein - aber 3% an der Wortzahl können auch ohne Probleme ausreichen, entscheidene Punkte zu verändern. Das ist m. E. ein extrem schlechter Zustand - denn er bedeutet nichts anderes, als dass das eben für dutzende von Dollar gekaufte und gelesene Buch nicht das System enthält, das offiziell supported wird. Als neuer Spieler würde ich es darauf hin in die Ecke werfen und vermutlich nie wieder anrühren. Oder zumindest DDI kündigen und in dem Wissen spielen, dass ich ein Regelwerk benutze, dass alles andere als Ideal ist. Und ohne online support auskommen muss.

Outsourcing hat nicht immer was mit geringen Verkaufszahlen zu tun, sondern oftmals mit einem Verschieben von Ausgaben in Bilanzen. Raus aus den Personalkosten (Inhouse Erstellung), hin zu Investitionen (Erwerb externer Printprodukte -- und gewinnbringender Weiterverkauf) oder, wie im Fall von Paizzo, zusätzliche Einnahmen ohne das dieses große Ausgaben gegenüebr stehen würden. Oder, genau so oft, mit Misstrauen gegenüber den eigenen Mitarbeitern.

Und Paizoo wollte Dragon wie Dungeon weiter machen - ihnen wurde die Lizenz allerdings nicht verlängert. Das spricht nicht dafür, dass die Zahl an Leser das Problem war. Hätte Paizzo auf 3.5 Veröffentlichung verzichtet, hätten sie ohne Probleme ihre Magazine auf 4.0 Inhalte wechseln können. OGL hin oder her. Pathfinder ist also eine Konkurenz, die nur entstehen konnte, weil Paizzo die Lizenz nicht verlängert wurde. Schon ärgerlich für die Küstenzauberer, oder?

Nun, meiner persönlichen

Nun, meiner persönlichen Spielerfahrung nach waren die Bücher früher genauso "fehlerbehaftet" aber es gab eben keine Erratum dafür, höchstens mal bei einem weiteren Regelwerk des selben System.
 
Außerdem könnte Paizo ja wieder ein Magazin herausbringen, mit anderem Titel aber ähnlichem/gleichem neuen Inhalt, aber womöglich war es nie wirklich in den schwarzen Zahlen. Das vermute ich jetzt nur aufgrund Kenntnis entfernt ähnlicher Magazin (spezieller Themenkreis, in kleiner Auflage)
 
Und schlußendlich ist WotC ein Konzern der in erster Linie Geld verdienen will, in zweiter Linie die Player Ability  zu verbessern.
 
Aber den Schlußfolgerung ist nachvollziehbar und durchaus bedauerlich.
 
 
 
 
 

Magazine

aber womöglich war es nie wirklich in den schwarzen Zahlen.
 
Das macht gar keinen Sinn.
 
Paizo ist von WotC ja nicht dafür bezahlt worden, dass sie für sie die Magazine machen. Die Magazine mussten sich natürlich selbst tragen, jetzt, da sie nicht mehr als Werbevehikel querfinanziert werden konnten (obwohl ich glaube, dass sie auch davor rentabel waren).
 
Die Nichtverlängerung der Lizenz hat Paizo empfindlich getroffen, und über einen langen Zeitraum hinweg waren sie in einer Orientierungsphase. Wahrscheinlich haben sie darüber nachgedacht, ein eigenes Magazin nahtlos an den Dragon anzuhängen. Da aber so vieles unsicher war, das Menetekel einer inhaltlich wie lizenztechnisch sehr ungewissen 4. Edition an der Wan sichtbar wurde, war nicht klar, was das Nachfolgemagazin eigentlich für eine Ausrichtung haben sollte. Wäre das Konzept bis zum Erscheinen der 4e (egal wie sie aussehen würde) nicht eh nur ein Übergangskonzept gewesen?
 
Daher haben sie sich zu einem anderen, hochpreisigen Produkt entschieden, das ihre mit Dragon und Dungeon erworbenen inhaltlichen Kompetenzen vereinte und auch marktwirtschaftlich planbarer war: Die Pathfinder Adventure Paths, die sowohl Abenteuer als auch Crunch-Quellenbücher sind. (Und die Paths in Dungeon Magazine waren ihre Empfehlung für so eine Art von Produkt.)
Als Fortsetzungsabeneteuer hatten sie wenigstens ansatzweise den Vorteil eines Periodikums (die Möglichkeit von wiederkehrenden Abo-Kunden), während sie mit der Begrenzung auf 6 Module auch endlich waren. Hätte der erste Path nicht gezündet, hätten sie ohne Gesichtsverlust auf etwas anderes umschwenken können.
 
Ich denke, dass ihnen die APs wirtschaftlich mehr brachten als die Magazine früher, und dass sie den Magazinen nicht mehr nachtrauerten. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da sie mit dem Pathfinder RPG ein eigenes System ins Portfolio gehievt haben.
 
Heute könnten sie ein Dragon-artiges Magazin am Kiosk wieder gebrauchen, und viel dringender als WotC/Hasbro...

Doch das macht Sinn, viele

Doch das macht Sinn, viele solcher Zeitschrift Zuschussprodukte sind, die zwar von externen Anbieter (Paizo) produziert werden aber im Auftrag und (Teil-)Finanzierung des Auftraggebers (WotC). Der dies vorallem als Werbemaßnahme betrachtet und um sein Produkt zu supporten.
 
Natürlich weiß ich jetzt nicht - wie wohl jeder von uns nur Vermutungen anstellen kann - ob es auch diesem Fall so war. Aber ich vergleiche das mit meinen persönlichen Erfahrungen und kanns mir gut vorstellen.
 
Außerdem stellt sich die Frage warum Paizo nicht so ein Produkt wenn es doch so dringend fehlt, herausgibt? Sie wissen doch auf jeden Fall wie hoch die Kosten, der Aufwand, etc. und wie die Umsätze/Einnahmen dazu wären. Sie haben die Zahlen und Fakten aus erster Hand.
Ich vermute wenn Paizo kein (andersgenanntes) Magazin mehr herausbringt, dann vermutlich das Sie der Meinung sind der Aufwand wäre zu hoch und das Ergebnis zu gering und wie du bereits gesagt hast das sie mit den Pathfinder Adventure Paths etwas "bessers" haben.
 

Dazu hatte Eric Mona von

Dazu hatte Eric Mona von Paizzo vor 2 Jahren bereits Stellung bezogen: die ehemalige Basis des Dragons hat sich weiter aufgespalten in D&D 3.x , Pathfinder und 4e Spieler. Ein Magazin dürfte keine Mischung von 4e und 3er Derivaten beinhalten - zumindest nicht, wenn es Inhalte in alter Dragon Magazine Manir veröffentlichen wollte (sprich Regelwerk bezogene Erweiterungen, etc.). Da stehen die Lizenzregularien von WotC im Wege. Hinzu kommt, dass ein pralleles Herausbringen von Adventure Paths, Pathfinder Regelbüchern und monatlichem Magazin wohl die Leistungsfähigkeit von Paizzo auch weit übersteigen würde.

Mittlerweile gibt es, einmal davon abgesehen, mit Kobold Quaterly ja ein Produkt, dass mit dem Hause Paizzo freundschaftlich verbandelt ist.

Das "alte" Dragon Magazin hatte sich selber finanziert. Ich glaub, es gab Verpflichtungen darüber, wie viele Werbeseiten WotC abnehmen musste. Und über die komplette Ausrichtung auf D&D. Die Anzahl Leser war zum Zeitpunkt der Einstellung hoch genug, um ein Weiterführen der Lizenz zu rechtfertigen - Paizzo hat sich nicht ohne Grund darum bemüht.

 

 

Kobold Quarterly

Mittlerweile gibt es, einmal davon abgesehen, mit Kobold Quaterly ja ein Produkt, dass mit dem Hause Paizzo freundschaftlich verbandelt ist.
 
Das hatte ich vergessen. Das Heft habe ich nicht auf dem Schirm, weil es m.E. nicht einmal ansatzweise ein Ersatz für den alten Dragon oder den Dungeon ist. Ich habe drei Ausgaben mit jeweils einem halben Jahr Abstand ausprobiert (um eine mögliche Entwicklung zum Positiven nicht zu verpassen), aber ich kann rein gar nichts damit anfangen.
 
Aber hätte KQ denn den einen dringend benötigten Vorteil des alten Dragons auch, nämlich die Sichtbarkeit in Zeitschriftenläden und die Möglichkeit, per Zufall neue Leser auf das Hobby aufmerksam zu machen?
 

Ich glaub, als

Ich glaub, als Quartalsmagazin hat es da kaum Chancen. KQ dürfte ein reines Fantasy Shop Magazin sein, leider.

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