Da mich der AD&D 2nd Wahn gepackt hat, lese ich mich derzeit durch meine alten Dragon Magazine Ausgaben. Beginnend mit #137 stehen sie alle in meinem Regal und das heißt, dass von ca. 1 Jahr vor dem Erscheinen der 2nd Ed. bis zum Ende durch die 4th Ed. alle Dragon Ausgaben noch vorhanden sind.
Und beim Durchblättern der alten Ausgaben ist mir so einiges aufgefallen:
Preise (in $): während Computer Spiele nahezu identische Preise zu heutigen aufweisen, sind Rollenspielbücher, -boxen und -romane einer Preissteigerung von 100-150% unterworfen. Das mag begründbar sein (Computerspiele werden heute in deutlich größeren Mengen verkauft, die Unterscheidung C64 / Atari / Amiga / PC-Dos ist weg gefallen, etc.), überrascht in der Deutlichkeit aber doch. Ist doch das Drucken hochqualitativer Buchprodukte in begrenzter Zahl auch deutlich einfacher und erschwinglicher geworden.
Leserbriefe: Was für ein Qualitätsunterschied zu heute. Ausführliche Erklärungen, Anerkennung anderer Meinungen, Höflichkeit im Umgang miteinander und vor allem: interessant. Auch die Briefe des damaligen "Edition" Wars (der übrigens schon D&D vs AD&D erfasste) bleiben zumindest freundlich und akzeptieren die Statements des jeweils anderen. Natürlich wird die Redaktion hier auch gefiltert haben, aber ein Vergleich mit den letzten Print-Ausgaben des Dragons ist deutlich. Von Foren Beiträgen der Neuzeit einmal ganz zu schweigen...
Rollenspielmarkt: Was waren die auslaufenden 80er Jahre für Hochzeiten des Pen&Paper Rollenspiels. Fasa, WestEnd Games, GDW, TSR, Palladium (ja, die gibts noch - aber vergleicht sie mal mit früher)... große Verlagshäuser, die unzählige Rollenspiele, Brettspiele und Romane auf den Markt geworfen haben. Monatlich gab es so viele Neuerscheinungen, dass man wirklich 2 mal schauen musste, um die besten Stücke heraus zu picken. Und trotzdem hat man viele Perlen verpasst...
Rezensionen: Das Inhouse Magazin von TSR verreisst TSR Publikationen - unvorstellbar zu Zeiten von 3rd oder 4th Edition. Auch hier blieb man immer höflich, aber die Kritik an einigen Abenteuern (FR Avatar Triologie als Beispiel) oder auch Regelbüchern (Greyhawk Hardcover) ist teils deutlich. Und gut begründet!
Computer Spiele: Eine Flut von Rollenspielen und Fantasy-Strategie Spielen. Die Spieldauer einzelner Titel betrug dabei häufig weit über 100 Stunden und Titel wie Pools of Radiance, Dragon Wars, Ultima V, Wasteland oder Wizadry V lassen neu heute die Augen feucht werden... vor schöner Erinnerung!
Es war eine goldene Zeit für Rollenspieler. Der Markt war groß genug, um eine Beachtung in der Computer- und Hobbybranche zu finden, die weit über heutige Zeiten hinaus reichte. Zumindest kann man feststellen, dass Rollenspiele (im Gegensatz zu PlayByMail Games) auch heute immer noch vorhanden sind, TROTZ der Überflutung durch multimediale Unterhaltung. Aber so ein bisschen vermisse ich die Tage von TSR und den zahlreichen Mitbewerbern schon...
Kommentare
Wenn ich eins im Leben
Wenn ich eins im Leben gelernt habe, dann dass die goldenen Zeiten nur in der Nachbetrachtung wirklich glänzen. ;-)
Ich würde wetten, dass heute mindestens so viele Rollenspielprdukte erscheinen, wie in den 80ern und die Zahl der semi/-professionellen Verlage eher zugenommen hat. Inflationsbereinigt liegen die Preise von Rollenspielbüchern ungefähr auf dem gleichen Niveau wie in den 80ern (da gab es eigentlich nie größere Preisschübe), bei Computer-/Konsolenspielen sehe ich eine ähnliche Preistabilität.
Was die Diskussionkultur angeht, die war damals tatsächlich besser. Bei redaktionell ausgewählten Leserbriefen (zum Teil wohl noch von Hand geschrieben) ist das nur natürlich.
Zu den Preisen: Bei
Zu den Preisen:
Bei Computerspielen betrugen diese 40-50$ - so ziemlich der gleiche Preis von heute. Bei Rollenspielprodukten lagen diese bei ca. 8-10$ für Quellenbücher und rund 15$ bei Hardcovern und Boxen. Das ist auch mit der normalen Inflationsrate nur schwer zu erklären, zumal diese in den letzten 5-6 jahren nahe 0 lag. Auch werden viele Produkte heute in China oder Kanada gedruckt, wodurch die eigentlichen Druckkosten noch einmal gesenkt wurden. Ich denke also schon, dass dies ein Hinweis auf (deutlich) geringere Verkauszahlen ist.
Zur Zahl der Rollenspielprodukte:
Klar, wenn du alle PDF Publikation hinzu zählst, hast du ganz sicher Recht. Was aber professionelle RPG Produkte angeht und vor allem deren kontinuierliche Unterfütterung mit Neuerscheinungen - da waren die 80er wohl wirklich goldene Zeiten.
Allein so eine Idee wie Spelljammer zu wagen - ich glaube, dass würde kein großes und sich ernst nehmendes Rollenspiel dieser Zeit mehr machen. Und überhaupt TSR: Dragonlance, Forgotten Realms, Greyhawk, Spelljammer und Ravenloft gleichzeitig am Markt zu haben und regelmässig Neuerscheinungen dafür zu publizieren, während parallel dazu auch noch D&D Gazetteer für die Known World und GammaWorld Handbücher herausgebracht wurden. Wow...
Das auch dies einer der Gründe war, warum TSR letztendlich den Bach runter ging, ist klar. Nach allem, was ich gelesen habe, aber wohl eher ein kleiner, denn die Zahl der Designer blieb auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Schlipsträger in der Marketingabteilung und im Controlling wuchs allerdings exorbitant in diesen Jahren... Es scheint also, als ob sich TSR auch einen Markt geschaffen hat, der all die Produkte in ausreichend hoher Zahl abnehmen konnte...
Preise und Spiele
Stimmt, ein durchschnittliches Rollenspiel kostet heute inflationsbereinigt etwas mehr als vor 30 Jahren. Allerdings hat sich auch die Ausstattung wesentlich verbessert. Vergleiche ich die erste DSA Basisbox mit den aktuellen Regeln, enthielt sie 2 Hefte plus ein wenig Kleinkram, insgesamt ca. 120 Seiten Papier, ein paar Würfel und einen Kugelschreiber. Das neue Basisregelwerk hat ca. 340 vollfarbige Seiten. Der Preis der Box lag damals bei 30 Mark, das Basisbuch kostet 30 Euro. Die durchschnittliche Inflationsrate betrug von 184 bis heute recht genau 2%, rechnet man sie auf, kommt man bei der Basisbox auf einen Preis von 25 Euro. Ich denke, 8 Euro (inkl. Würfel und Stift) kann uns die bessere Ausstattung schon wert sein.
Wer es lieber preiswert mag, kommt auch 2010 noch auf seine Kosten. WotC bringen im Moment Abenteuer für 12,95 $ raus und verkaufen so günstig an den Handel, dass man mit den Preisen von Internetdiscountern mithalten könnte. Das D&D Player's Handbook kostet bei Amazon 23 $, man kann es wahrscheinlich noch günstiger finden. In Deutschland liegen günstige PHB-Preise zwischen 20 und 25 Euro. Paizo bearbeitet größtenteils das gleiche Preissegment.
Komplette, qualitativ hochwertige, Rollenspiele in guter Aufmachung bekommt man in Deutschland schon für 15 bis 25 Euro, in den USA zahlt man 10 bis 20 Dollar.
Und wie gesagt, gehe ich davon aus dass die Zahl der jährlich gedruckt erscheinenden Rollenspielprodukte nicht geringer ist, als in den 80ern. Natürlich gibt's keinen Monolithen wie T$R mehr, der im Monat 25 Bücher herausbringt (Falls es überhaupt so viele waren.) Aber WotC und Paizo haben schon einen sehr ordentlichen Produktausstoß, dazu kommen noch Verlag wie Fantasy Flight Games, Green Ronin, Mongoose, Cubicle 7 und ein paar Dutzend kleinerer Verlage mit regelmäßigen Veröffentlichungen, von den Independent-Publishern ganz abgesehen.
Catalyst Games war offenbar so erfolgreich, dass fast eine Million Dollar unterschlagen werden konnte. ;-)
Sieht man sich mal Deutschland an, haben wir mit Ulisses und Pegasus zwei Verlage, die zwei oder mehr erfolgreiche Rollenspiele am Markt haben und monatlich mehrere Neuveröffentlichungen melden. Das gab es in der Vergangenheit allenfalls zu FanPros besten Zeiten.
Ich würde sagen, 2010 sieht mindestens so golden aus, wie 1984. :-)
Danke für die ausführliche
Danke für die ausführliche Antwort!
Klar hast du recht: die Aufmachung der meisten Rollenspielbücher ist heute eindeutig besser als in den 80ern. Der Markt ist einfach professioneller geworden. Aber ich denke, inhaltlich stimmt das nicht. Wenn ich die AD&D Regelbücher der 1st Edition betrachte und mir dann mal das Dungeneer's Survival Guide oder das Dungeon Masters Guide ansehe - konzeptionell zwar leicht chaotisch, aber von den abgearbeiteten Themen weitaus vielschichtigere und vor allem auch einmal fern von Spielwerten und -regeln ausgearbeitete Kapitel. Auch von der Anzahl der Seiten besticht ein Dungeon Masters Guide der 80er Jahre deutlich gegenüber seinen modernen Ablegern. Was sich bei DSA positiv entwickelt haben mag, ist im angloamerikansichen Raum nicht unbedingt genau so...
Amazon Preise sind auch nicht ganz fair... solche Handelsmonopolisten gabs in den 80ern nunmal nicht - zumindest nicht online verfügbar für uns Europäer. Die Amerikaner hatten da schon immer etwas mehr Glück... wobei dieses Glück auch recht erfolgreich die Landschaft der Ladengeschäfte im Rollenspielbereich zerstört (hat).
Ich gebe dir absolut Recht, dass die Verfügbarkeit von PDFs noch einmal richtig Schwung in den Rollenspielmarkt gebracht hat, zumindest was englisch-sprachige Titel angeht. Deutschland scheint sich auch damit etwas schwer zu tun... aber vermutlich wird man in den nächsten 10 Jahren auch hier auf diesen Zug aufspringen. Wir sind halt etwas vorsichtiger... ;)