Als Spielleiter hangel ich mich ja durch D&D (Menzer Ed.), Ad&d 2nd und Rolemaster - als Spieler nun wirds mich wohl in die Regelflut von 3.5 zurück spülen. Wir beginnen in Stufe 10 und wir alle ahnen, dass ein schnelles Charakter Erschaffen da haarig werden dürfte. Also hab ich mir Hilfe gesucht...
Immer noch gibt es 2 ordentliche freeware Tools im Internet: Redblade 3.5 und PCGen. Für beide lassen sich auch Erweiterungen für die Forgotten Realms finden, der vom Spielleiter anvisierten Kampagnenwelt. Zusätzlich finden sich auch mindestens 2 Seiten mit Javascript Lösungen ind en weiten des Internet, die ich allerdings etwas unübersichtlich fand.
Also habe ich mich an Redblade gesetzt und begonnen, meinen Charakter auszuarbeiten. Das Tool ist denkbar einfach zu bedienen und innerhalb weniger Klicks hat man schon die Grundwerte ausgewürfelt. Als FR Fan hab ich mich dann gleich an die Erschaffung eines Priesters gemacht - Faiths & Pantheon raus und los. Dabei ist mir dann der qualitative Abfall der Regeln im Vergleich zur 2nd Edition bewußt geworden: Specialty Priests zu jedem Gott sind einfach erheblich stimmungsvoller als lediglich eine Auswahl an spell domains und eine handvoll Prestige Classes serviert zu bekommen. Davon abgesehen kann das FR File von Redblade auch nicht mit den PrCl's dienen und so habe ich einen generischen Cleric der Auril ausgearbeitet. Auch hier begegnet mir ein Problem: während das 3.5 Regelwerk viele Bereiche meinem Gefühl nach überreglementiert, sind all die rollenspielerischen Hinweise zu einem Cleric der Auril nur durch Gnade des Spielleiters möglich. Gebete, die nackt im Schnee durchgeführt werden, Rituale in Mitten von Schneestürmen... Noch nicht mal Hinweise auf bessere Rettungswürfe gegen Kälte oder ähnliches finden sich und das für einen Diener der Wintergöttin der Realms.
Nach der Klassenwahl beginnt dann aber erst die eigentliche Arbeit... 9 Stufenauftiege bedeuten eine Menge Punkte für Fertigkeiten, einige zu wählende Feats (die leider nicht immer erklärt sind) und gut 49.000 Goldmünzen, die es in Ausrüstung zu investieren gilt. Dann Zauber selektieren - wobei auch hier einige FR domains leider fehlen - und schnell ist eine Stunde verklickt und das Gefühl ganz fertig zu sein, stellt sich nicht ein. Zumal für Geschichte und Herkunft bisher noch nicht einmal Zeit war. Und ob man wirklich die ideale Wahl an Feats gemacht hat...?
All das mit einem intuitiven, wenn auch nie 100% fertig gestelltem Tool. Wie lange werde ich erst sitzen, wenn ich nur die Bücher zur Hand nehme, alle Fertigkeiten selbst kalkuliere und noch schaue, wie ich eine der Prestige Classes des Faiths & Pantheons nutzen kann? Vielleicht hat mein Ausflug zu den alten Systemen wie D&D und AD&D 2nd meine Vorlieben geändert, aber auch Spiele wie Warhammer FRPG 2nd, Savage World oder sogar Palladium machen es einem, zumindest gefühlt, weit einfacher, Charaktere zu erschaffen. Wie leicht wird so ein lang ausgearbeitet Charakter eigentlich eine Lebensversicherung, da auch der Spielleiter wenig Interesse hat, die anderen am Tisch durch eine erneute stundenlange Ausarbeitung eines Ersatzcharakters zu verägern... und wie viel Freude macht eine Rollenspielrunde, bei der Gevatter Tod nie als echte Bedrohung gesehen wird?
Ich freue mich nichtsdestotrotz auf den Start der Kampagne... aber das Regelwerk an sich hat diese Freude während der ersten Wiederbegenung wahrlich nicht gesteigert.
Kommentare
Sterben und einfache Systeme
> und wie viel Freude macht eine Rollenspielrunde, bei der Gevatter Tod nie als echte Bedrohung gesehen wird?
Ich leite normalerweise mit der Vorgabe "SCs sterben nur im absoluten Ausnahmefall" (in bisher 16 Rollenspieljahren habe ich drei sterben lassen - und zwei davon bereuhe ich (Paranoia nicht mitgezählt).
Gleichzeitig leite ich meistens im EWS, bei dem der technische Teil der Charaktererschaffung durchschnittlich 5 bis 15 Minuten dauert.; das letzte Mal, dass ich studnenlang an einem Char saß war Gurps - da waren es aber dann auch gut 20 stunden, inklusive Begründungen für jede Fertigkeit in der Vorgeschichte :)
Schnell erschaffene Charaktere sind uns aber trotzdem sehr viel wert.
Also: Es ist auch ohne Todesgefahr spannend, und ein char kann auch wichtig sein, wenn die erschaffung eines neuen chars binnen Minuten geht (plus X Stunden für die Idee ;) ).